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Strom: Schlimmer Verdacht bei Anbieterwechsel

Steffen Preißler

Steffen Preißler

Foto: Ingo Röhrbein / HA

Verbraucherschützer: Jeder zehnte Nutzer wird vom neuen Stromanbieter abgelehnt, weil er ein "Tarifhopper" ist.

So richtig ist der Markt der Stromanbieter noch nicht aufgemischt worden. 69 Prozent der Haushalte sind bis heute bei ihrem Grundversorger geblieben, haben bestenfalls dort den teuren Basistarif gegen einen günstigeren Tarif getauscht.

Was Verbraucherschützer und ein Wechselportal jetzt aufdecken, dürfte die Wechselbereitschaft auch nicht beflügeln. Nach Erhebungen des Internetanbieters Wechselpilot wird jeder zehnte Verbraucher vom neuen Versorger abgelehnt. Der Verdacht liegt auf der Hand: Wer häufig wechselt und doch hin und wieder zu einem seiner alten Stromanbieter zurückkehrt, ist als „Tarifhopper“ gebrandmarkt und wird schnell abgelehnt.

Strom: Tarifhopper unerwünscht

Die Versorger weisen diesen Verdacht von sich und sprechen stattdessen von Bonitätsproblemen oder fehlenden Angaben für den Vertragswechsel. Rechtlich sind die Versorger damit auf der sicheren Seite. Kunden können grundlos abgelehnt werden.

Doch der Verdacht bleibt. Denn Kunden, die Jahr für Jahr den Anbieter wechseln und dabei noch dreistellige Neukundenprämien abräumen, sind für die Versorger ein Verlustgeschäft. Die Zusammensetzung des Strompreises zeigt, wie gering der Spielraum der Versorger ist. Von den rund 30 Cent je Kilowattstunde entfallen gerade sieben Cent auf Beschaffung und Vertrieb. Der Rest sind fast nur staatlich verordnete Umlagen und Steuern.

Strom: Was beim Anbieterwechsel wichtig ist

Macht der Kunde nichts, wird für ihn die Stromrechnung seit 2001 Jahr für Jahr höher. Er sollte sich nicht verunsichern lassen: Klappt der Wechsel nicht gleicht, sollte er den nächstbesten Versorger wählen. Und wenn er sich von seinem Anbieter verabschiedet hat, dann noch eine letzte Botschaft hinterlassen, nämlich bitten, die Kundendaten zu sperren. Das erschwert den Versorgern schwarze Listen.