Meinung
Glosse

Staub zu Staub – bis alle zufrieden sind

Thomas Andre ist Redakteur im Ressort Kultur des Abendblatts.

Thomas Andre ist Redakteur im Ressort Kultur des Abendblatts.

Foto: Michael Rauhe

Der Staubballen ist der Feind. Ihn gilt es stets aufs Neue hinwegzusaugen aus der glorreich reinen Sphäre der Wohn- oder Schlafzimmer, in die er sich immer wieder hineinzufusseln versucht.

Und hat er das mal wieder geschafft, rücken wir mit Sauger oder Feudel an. Wir, das sind die vernünftigen, weisen, klugen 13 Prozent. Die 13 Prozent, die laut einer aktuellen Umfrage erst dann zur reinemachenden Tat schreiten, wenn der Schmutz in den eigenen vier Wänden auch tatsächlich sichtbar ist. Die nie auf die Idee kämen, prophylaktisch zu putzen oder unter Zuhilfenahme eines Mikroskops.

Es soll ja Menschen geben, die Putzen als Tätigkeit sehen, die gleichermaßen Sportersatz und Meditation ist; ein Ritual, das Körper und Geist ertüchtigt. Noch mehr Menschen allerdings ist die Reinlichkeit eine periodisch wiederkehrende Handlungsanleitung: den Besen zu schwingen, damit IMMER alles blitzt und strahlt. 44 Prozent aller Befragten gehen wöchentlich zu Werke, und sie bilden damit die Putzkolonne der unverdrossenen Dauervorsorge. Bloß kein Stäubchen aufkommen lassen, es könnte sich ja mit anderen Stäubchen zusammentun, um irgendwann feierlich eine ausgewachsene Staubballung abzugeben.

Die Umfrage unterscheidet irritierenderweise nicht in Geschlechter. Dabei weiß doch jeder, dass Hygienestandards bei Männlein und Weiblein deutlich unterschiedlich ausfallen. Mit Erstaunen muss manch einer zur Kenntnis nehmen, welches Schmutzaufkommen für manch eine gerade noch so tolerabel ist. Oder eben nicht: Waaaaas, du störst dich tatsächlich am Schimmelbefall auf dem sich stapelnden Geschirr, du magst kein Moos und auch keine Silberfischchen? Sorry! Wusste ich nicht. Ich hol dann mal den Kärcher.

Faustregel für alle Profiputzer: Am Ende immer so feudeln, dass die Hausherrin halbwegs zufrieden ist.