Meinung
Menschlich gesehen

Miriam Rürup verwaltet ein jüdisches Erbe

Prof. Dr. Miriam Rürup menschlich gesehen

Prof. Dr. Miriam Rürup menschlich gesehen

Foto: Andreas Laible / HA

„Von diesem Ort geht ein historischer Zauber aus“, sagt Professorin Miriam Rürup. Die 46 Jahre alte Direktorin des Instituts für die Geschichte der deutschen Juden meint damit eine Ruine in der Poolstraße (Neustadt): die Reste des Israelitischen Tempels der Liberalen Jüdischen Gemeinde, der im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde.

Die in Karlsruhe geborene Hamburgerin mit jüdischen Wurzeln setzt sich für den Erhalt dieses baufälligen Relikts ein. Obwohl Rürup, die mit einem Historiker verheiratet ist und in St. Georg lebt, keiner jüdischen Gemeinde angehört und sich selbst als „säkularisiert“ bezeichnet, schwärmt sie von jenem sakralen Ort an der Poolstraße, an dem sich seit vielen Jahren eine Autowerkstatt befindet. Ihr, die gern mit dem Fahrrad durch die Stadt fährt, gefällt diese „architektonische Perle“. Die Ruine, deren Schutz sie vehement fordert, sei die Stein gewordene Erinnerung an ein vielfältiges, pluralistisches Judentum, das im 19. Jahrhundert in voller Blüte stand. Heute ist es ein fast vergessener Ort. esh