Meinung
Kommentar

Sietas trotzt dem Werftensterben

Autor Martin Kopp ist Hafenexperte des Hamburger Abendblatts

Autor Martin Kopp ist Hafenexperte des Hamburger Abendblatts

Foto: HA

Hamburger Schiffbauer sind Beispiel für Durchhaltewillen

Auch bei der kleinen Pella Sietas Werft hinter dem Este-Sperrwerk ist nicht alles Gold, was glänzt. Die Auftragsbücher sind zwar gut gefüllt, aber schaut man auf die Gewinne, so muss man feststellen, dass die Werft auch fünf Jahre nach ihrer Rettung aus der Insolvenz durch die russische Pella Shipyard noch immer rote Zahlen schreibt. Nicht zuletzt, weil die Werft den Bau eines Baggerschiffs für die Wasser- und Schifffahrtsbehörden des Bundes mit sich herumschleppt, dessen Fertigstellung sich wegen immer neuer Umbauten ständig verzögert. Das bindet Baukapazitäten und kostet sehr viel Geld. Zumal der Bund nicht gerade als der pünktlichste Zahler bekannt ist.

Da kommt der neue Rekordauftrag zum Bau eines Eisbrechers gerade richtig. Für die Entwicklung der Werft ist
er sogar entscheidend: Erstmals konnte die Pella Werft, die Sietas 2014 aus der Insolvenz übernahm, den Weiterbetrieb mit einem russischen Auftrag sichern. Zudem kann die Hamburger Werft wieder auf einen Mitarbeiterstamm von 400 Beschäftigten wachsen.

Sie ist inzwischen ein positives Gegenstück zum allgemeinen Werftensterben in der deutschen Schiffbauindustrie, die durch die starke asiatische Konkurrenz im Containerschiffbau eine schwere Krise erlebt hat: Als Pella-Chef Garegin G. Zaturow 2014 einstieg, blickte die Sietas Werft in den Abgrund. Sie war zahlungsunfähig, hatte noch 40 Beschäftigte und keinen einzigen Neubauauftrag. Fünf Millionen Euro zahlte Zaturow damals als Preisgeld, investierte aber in der Folge das Zigfache in neue Mitarbeiter und Ausschreibungen. Am Anfang gab es nur Reparaturaufträge und Teilfertigungen einzelner Sektionen für andere Werften. Schließlich kamen erste Neubauaufträge hinzu. Heute hat Pella Sietas als Hersteller von Spezialschiffen wieder einen Namen.