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FC St. Pauli: Gewinn kann Siege nicht ersetzen

Carsten Harms, Sportredakteur und Experte für den FC St. Pauli beim Hamburger Abendblatt.

Carsten Harms, Sportredakteur und Experte für den FC St. Pauli beim Hamburger Abendblatt.

Foto: Klaus Bodig / HA / Klaus Bodig

Jos Luhukay hat die Qualität erhöht, aber die Bilanz eines Absteigers. Warum die Situation des FC St. Pauli so bedrohlich ist.

Wenn der FC St. Pauli an diesem Mittwochabend zur alljährlichen Mitgliederversammlung bittet, wird Präsident Oke Göttlich dem Plenum – so viel steht jetzt schon fest – wieder einmal einen finanziellen Gewinn für das abgelaufene Geschäftsjahr präsentieren können.

Seit 2011 schreibt der Club vom Millerntor schwarze Zahlen. Dies beweist, dass die in diesen Jahren amtierenden Präsidien aus der unmittelbar drohenden Insolvenz von 2003 nachhaltig gelernt haben. Das ist lobenswert, und doch dürfte die Stimmung unter den Mitgliedern bestenfalls reserviert, eher aber kritisch bis aufgebracht sein.

St. Pauli muss keine Rendite bringen

Schließlich ist der FC St. Pauli keine Bank, Versicherungsgesellschaft oder ein sonstiger Konzern, der seinen Ak­tionären eine höchstmögliche Rendite bieten muss. Vielmehr ist das Kerngeschäft bekanntlich der Profifußball, und genau in diesem Bereich ist die Zweit­ligamannschaft jetzt schon wieder einmal in eine sportliche Krise geschlittert.

Die Entwicklung in den vergangenen Wochen ist brandgefährlich, auch wenn das Team derzeit noch nicht auf einem Abstiegsplatz steht. Die Freude über den kurzzeitigen sportlichen Höhenflug mit dem Sieg im Stadtderby gegen den HSV als Highlight ist angesichts der jüngsten Darbietungen längst der Abstiegsangst gewichen.

Jos Luhukay: Mehr Qualität, aber kein Erfolg

Diese Sorgen rühren auch daher, dass die von Trainer Jos Luhukay pro­pagierte und grundsätzlich erfreuliche Steigerung der fußballerischen Qualität bislang nicht zum Erfolg geführt hat. Nach jetzt 20 Spielen unter seiner Regie muss sich der Trainer auch an Ergebnissen messen lassen. Und hier stehen genau vier Siege zu Buche – das ist die Bilanz eines Absteigers.

Es ist an der Zeit, die Ausrichtung zu ändern und sich auf die Grundtugenden zu konzentrieren, die St. Pauli in seinen guten Phasen ausgezeichnet haben. Ob dies mit dem aktuellen, körperlich wenig robusten Personal und insbesondere mit den zahlreichen Leihspielern, die keine tiefe Bindung zum Club haben können, gelingen kann, ist allerdings fraglich.