Meinung
Glosse

Wenn Blicke töten könnten ...

Abendblatt-Gerichtsreporterin Bettina Mittelacher

Abendblatt-Gerichtsreporterin Bettina Mittelacher

Foto: Andreas Laible / HA

... dann freut man sich darüber, wenn am Ende bloß ein paar Eier zu Bruch gehen, man aber mit dem Leben davongekommen ist.

Da stand ich nun: abgehetzt, in Eile und überfrachtet. Rasch noch vor der Arbeit einen kleinen Einkauf erledigen, hatte ich gedacht. Geht ja schnell. Kein Problem. Kein Problem? Über der Schulter trug ich meine voluminöse Umhängetasche. An zwei Fingern der linken Hand baumelte eine beim Bäcker nebenan erstandene Tüte mit Brötchen. Und in den Armen trug ich eine Ananas und zwei Packungen Bioeier. Sensible Fracht also.

Doch die Sorge um die Unversehrtheit der Hühnerprodukte entpuppte sich an der Kasse als lächerlich. Vielmehr musste ich um mein eigenes Überleben bangen. Wenn Blicke töten könnten – dann wäre ich bei diesem denkwürdigen Einkauf gleich zweimal gestorben. Der potenzielle Beinah-Mörder war der Herr vor mir, der dem Umfang nach zu urteilen für einen 23-köpfigen Haushalt Besorgungen machte.

Eier zerstört – doch mit dem Leben davon gekommen

In aller Gemütsruhe räumte er die Produkte auf das Kassenband, um dann innezuhalten und mich zu fixieren. Meine Hoffnung, er wolle mich wegen meines übersichtlichen Einkaufs vorlassen, zerstob in Millisekunden. Statt dessen herrschte er mich mit mörderischem Blick an, ich solle nicht so drängeln. Gefühlte 20 Minuten später, er war schon etwa zur Hälfte fertig, spießte er mich wieder mit den Augen auf.

Vor Schreck ließ ich eine Packung Eier fallen, die natürlich alle zu Bruch gingen. Aber das ist nicht so schlimm. Hauptsache, ich selber bin heil davongekommen, trotz dieser Blick-Attacken auf mein Leben. Es war denkbar knapp.