Meinung
Glosse

Steck doch noch ’n Groschen rein

Vom 130. Geburtstag der Musikbox und ihrem unvergessenen Helden aus Hamburg-Wellingsbüttel.

Sie war eine Sensation. Vor 130 Jahren, am 23. November 1889, ertönten in San Francisco im Palais Royal Saloon zum ersten Mal Töne aus einer Musikbox. Das Design war natürlich ganz anders als heute. Sie war aus Holz, vier stethoskopähnliche Schläuche ragten aus ihr heraus, damit vier Leute gleichzeitig dem kratzig-krächzenden Sound lauschen konnten. Der Spaß kostete 5 Cent pro Person. Erfinder und Geschäftsmann Louis T. Glass meldete sie als „Coin-Actuated Attachment For Phonographs“ erfolgreich zum Patent an.

Die kastenartigen Musikmöbel werden noch heute gebaut, auch wenn die ehemaligen Marktführer wie Wurlitzer und Seeburg längst pleite sind. Heute setzt man auf Nostalgie-Look mit Chromzierleisten, Lichteffekten und 45er­-Vinyl-Platten. Technisch hat sich viel getan, die Geräte haben Wi-Fi und Bluetooth. Auf Websites wie www.juke-box.de tauschen sich Hardcore-Fans mit Hingabe über Ersatzteile und Zubehör aus.

Die „juke box“, wie sie im Angelsächsischen heißt, hat Musikgeschichte geschrieben. Bands und Sänger haben ihr ja auch eine Menge zu verdanken und Texte über sie geschrieben. Über sie gesungen hat Eminem ebenso wie Mariah Carey, Marion Maerz, Regina Spektor, die Rubettes und Foreigner („Juke Box Hero“).

Unser lokaler Held der Musikbox-Songs war aber ein Wellingsbütteler: Heinz Erhardt sang in den 60er-Jahren: „Steck doch noch ’n Groschen in die Musikbox. Drück nur auf die richt’ge Taste, und die schönste Musik haste morgens mittags, abends und die liebe lange Nacht. Ja, immer wieder, immer wieder, meine Lieder, deine Lieder, schön ist so ein Kasten, der Musike macht.“