Meinung
Glosse

Mit Habibi in der U 2

Christoph Rybarczyk

Christoph Rybarczyk

Foto: Marcelo Hernandez

Eine kleine Entdeckungstour zu Hamburgs neuen unterirdischen Sprachschätzen – okay, typisch Alman.

Eine kurze Sprachreise mit der Hamburger U-Bahn-Linie 2 gefällig? Ohren auf und los: „Ey Digga!“ „Boah, Digga Alder Digga ey!“ „Er so: Hörsse auf damit? Ich so: Neee! Voll der Honk!“

Ja, so konnte es klingen, wenn man in den vergangenen Jahren die U 2 auf einem Streckenabschnitt als Fahrgast beehrte, der hier aus Anti-Diskriminierungs-Gründen nicht genannt werden soll. Man könnte ja meinen, das sei kein Deutsch. Stimmt, es ist derbes Hamburgisch, intoniert von jungen Menschen, die sprachlich betrachtet an der Reduktion von gesellschaftlicher Komplexität hart arbeiten.

Doch das soll alles passé sein. Wie Marktforscher, Jugend-Abenteurer und Hobby-Ethnologen ermittelt haben wollen, gibt es drei unschlagbare Modewörter, die unseren Heranwachsenden so locker wie nichts von der Zunge rollen: Cringe, Habibi und Alman.

Der erste Begriff meint laut „vergleich.org“ irgendwie peinlich oder fremdschämen, der letzte steht für typisch Deutsches. Also Überpünktlichkeit, Mülltrennung, Elfmeterschießen und chronische Kolumnitis.

Wenden wir uns „Habibi“ zu: Was gab es zuletzt für ehrverletzende, wenn auch handelsübliche Beschimpfungen: Du Sch … reimt sich auf Lampe. Oder für die Fremdsprachler: Du B … reimt sich auf Kitsch. Und nun „Habibi“. Es ist ein zärtliches, ein gehauchtes, mit bilabialem Bussi versehenes Liebling, Darling, Schatzilein.

„Habibi“ kommt aus dem Arabischen und ist nicht nur die Anrede für den oder die Liebsten, sondern auch für knuffige Kinder. Okay: Ist ein Mann gemeint, kann man auch „Habibo“ sagen. Habibo! Das klingt schon wieder nach Babo, also nach dem Macker, der das Sagen hat.

Und hier kippt das ganze Lieblingsgesäusel. „Ey, Alder, wer is hier da Babo?“ Die U 2 hat uns wieder.