Meinung
Leitartikel

Gut angelegte Millionen für die Kultur

Kultur-Ressortleiterin Maike Schiller.

Kultur-Ressortleiterin Maike Schiller.

Foto: Mark Sandten / MARK SANDTEN / FUNKE FOTO SERVICES

Der Geldregen aus Berlin wird Hamburg als Kulturstadt weiter voran bringen.

Hamburg. Noch hat die Vorweihnachtszeit gar nicht richtig begonnen, da kann sich die Hamburger Kulturlandschaft schon über eine Bescherung freuen. Wobei es sich dabei zum Großteil weniger um schnieke Extras außer der Reihe handelt, die hier großzügig verteilt werden, sondern um Summen, die die Stadt akut benötigt.

Der Haushaltsausschuss des Bundes in Berlin hat am Donnerstag eine weitreichende Unterstützung mehrerer Kulturprojekte in Hamburg beschlossen: Die dringend modernisierungsbedürftigen Kampnagelhallen in Winterhude zum Beispiel bekommen 60 Millionen Euro aus Berlin, werden also künftig – ergänzt um dieselbe hohe Summe aus Hamburg – über 120 Millionen Euro verfügen können, um den Spiel- und Produktionsort auch im äußeren Erscheinungsbild und in den technischen Voraussetzungen den inneren Werten der dort stattfindenden Arbeit anzupassen.

Kamp­nagel international profiliert

Längst hat sich Kamp­nagel unter der Leitung von Amelie Deuflhard international profiliert, ist geradezu vorbildhaft vernetzt, ist ein Ort, der den gesellschaftlichen Diskurs der Stadt – und über die Stadt hinaus – prägt. Dass es gleichzeitig durchregnet, kann man vielleicht eine Weile charmant finden. Irgendwann wird es untragbar.

Berlins Beitrag – und hier wie schon in der Vergangenheit insbesondere der Einsatz der Hamburger Bundestagsabgeordneten Kahrs und Kruse – hilft nun Hamburg konkret dabei, Kosten zu sparen, auch indem der Geldsegen die nötigen Sanierungs- und Modernisierungsarbeiten beschleunigen dürfte. Die nämlich werden nicht günstiger, je länger man sie aufschieben muss.

Förderung des Reeperbahn Festivals richtig

Auch dass das erfolgreiche Reeperbahn Festival für die kommenden fünf Jahre fast 20 Millionen Euro zusätzlich erhalten soll, um seine Stellung und Strahlkraft europaweit und international noch stärker ausbauen und festigen zu können, ist unbedingt begrüßenswert. Stärken stärken ist an dieser Stelle der richtige Leitgedanke.

Wirklich spannend aber ist – neben der voranschreitenden Entwicklung des Deutschen Hafenmuseums, für das nun zusätzliche Mittel von 58 Millionen Euro beschlossen wurden – vor allem ein Projekt auf der durchaus ausführlichen Füllhornliste des Haushaltsausschusses: Hamburg soll ein Einwanderermuseum erhalten.

Ergänzend und in räumlicher Nähe zum Auswanderermuseum BallinStadt auf der Veddel soll ein neuer Ort aufgebaut werden, der das Thema Migration, fraglos eines der global entscheidenden Themen unserer Zeit, ganzheitlich darstellt und diskutiert. 23 Millionen Euro will der Bund dafür zur Verfügung stellen, noch einmal dieselbe Summe soll aus Hamburg dazu kommen.

Raum für Thema Migration schaffen

Die Hansestadt würde damit einen Raum schaffen können, der vor allem in der Kombination mit der BallinStadt anerkennt: Jede Auswanderung ist zwangsläufig auch eine Einwanderung. Wer geht, kommt an. Welche Wanderungsprozesse es überhaupt gab und gibt, welche Folgen das hat, all das sind gesellschaftlich ohnehin hochemotional diskutierte Themen, die hier eine Heimat fänden. Eine, die nicht nur ausstellt und darstellt, sondern die Bürger – und zwar alte und neue – aktiv zum Austausch einladen könnte.

Die Relevanz eines solchen Ortes, wäre (gute Planung und entsprechende Ausführung vorausgesetzt) über Hamburg hinaus wirksam – und würde, erst Recht in Kombination mit dem entstehenden Hafenmuseum und der enormen Strahlkraft der Elbphilharmonie, Hamburgs Position als Kulturstadt weiter verankern. Dem Kultursenator wird das zusätzlichen Rückenwind verschaffen. Und auch seiner Partei, der SPD, werden die guten Nachrichten im Wahlkampf kaum schaden.