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Was Hamburg aus Musks Tesla-Deal lernen muss

Oliver Schade leitet das Wirtschaftsressort beim Hamburger Abendblatt

Oliver Schade leitet das Wirtschaftsressort beim Hamburger Abendblatt

Foto: Andreas Laible / HA

Hamburg hatte Gespräche mit dem Elektroauto-Pionier geführt, nun baut Elon Musk seine Fabrik in Brandenburg. Das muss Ansporn sein.

Nun geht der Elektroauto-Pionier Tesla also nach Brandenburg, wird dort seine erste große Fabrik in Europa bauen. Viele Regionen in Deutschland haben um die Ansiedlung gebuhlt, auch Hamburg hatte Gespräche mit Tesla geführt. Aus gutem Grund: Schließlich geht es um bis zu 7000 Arbeitsplätze in einer der zentralen Zukunftstechnologien.

Doch Hamburg ist nicht zum Zug gekommen. Als offizielle Begründung wird nun die große Fläche genannt, die Tesla für seine „Gigafactory 4“ benötigt. Sicherlich fällt es im deutsch-polnischen Grenzgebiet leichter, preiswertes Land zu finden, als in Hamburg und Umgebung. Doch dieses Problem hätte man im Schulterschluss mit Schleswig-Holstein sicherlich lösen können.

Hamburg muss sich weiter um internationale Konzerne bemühen

Wichtiger dürfte für Tesla bei der Entscheidung für Brandenburg ohnehin gewesen sein, dass der Autobauer besonders hohe Fördergelder im Landkreis Oder-Spree erhält. Darüber zu lamentieren wäre unklug. Schließlich liegt es im gesamtdeutschen Interesse, dass alle Regionen des Landes prosperieren. Und dass der Wohlstand im deutsch-polnischen Grenzgebiet nicht annähernd so hoch ausfällt wie in Hamburg – darüber kann man nicht streiten.

Bleibt die Frage: Ist Hamburg überhaupt noch in der Lage, einen internationalen Konzern mit Zukunftsproduktion anzulocken? Ohne eine engere Kooperation mit Schleswig-Holstein dürfte ein solcher Coup wegen der Flächenproblematik kaum möglich sein. Aber auch die Tatsache, dass der Hamburger Flughafen es nicht schafft, wenigstens eine interessante Langstreckenverbindung anzubieten, wird internationale Investoren stets abschrecken, an der Elbe zu investieren.

Aufgeben im Kampf um große Firmenansiedlungen ist dennoch keine Lösung. Teslas Entscheidung sollte nicht Frust auslösen, sondern Ansporn sein.