Meinung
Kommentar

Stimmung zwischen Türken und Kurden ist vergiftet

Die Sicherheitsbehörden müssen alles tun, um Stellvertreterkriege auf deutschen Straßen zu verhindern.

Nach dem Angriff auf die Kurden in Nordsyrien steht die Türkei vor einer Zerreißprobe. Große Teile der türkischen Gesellschaft unterstützen traditionell das Militär. Ob ein Einsatz richtig oder falsch ist, spielt da nur eine untergeordnete Rolle. Kriegseinsätze führen zum Schulterschluss, stärken Präsident Erdogan und lassen sogar Fußballer nach Torerfolgen auf dem Spielfeld salutieren – ein absurdes Schauspiel.

Trotz dieser Nähe zu den eigenen Soldaten birgt der Überfall in Nordsyrien innenpolitischen Sprengstoff für die Türkei – und für Deutschland. Denn schnell wird sich dieser emotionale und aggressive Konflikt auch auf deutsche Straßen verlagern, Sicherheitsdienste und Polizei sind alarmiert. Im Ruhrgebiet gab es erste Auseinandersetzungen zwischen Türken und Kurden mit mehreren Verletzten. Die Stimmung ist vergiftet. Auf beiden Seiten gebe es Hardcore-Nationalisten, heißt es aus dem Zentrum für Türkeistudien.

Türkei-Konflikt: Trump ist sprunghaft

In Deutschland leben gut drei Millionen Türken, Hunderttausende von ihnen sind kurdischer Herkunft. Was die Lage zusätzlich gefährlich macht, sind Hilflosigkeit, Frust und Verzweiflung der Kurden. Sie waren gut genug, dem Westen die Terroristen des selbst ernannten Islamischen Staates vom Hals zu halten, aber jetzt werden sie fallen gelassen. Eine Lösung ist nicht in Sicht, zumal der Westen bisher versagt: US-Präsident Trump ist sprunghaft wie immer, die Kritik der Europäer an der Türkei kommt halbherzig, weil Erdogan mit der Kündigung des Flüchtlingspakts droht.

Den Kurden bleibt nur noch Syriens Machthaber Assad als Verbündeter, der wiederum von Russlands Präsidenten Putin unterstützt wird. Angesichts dieser Gemengelage besteht die Gefahr, dass neben den vielen Toten in Syrien bald auch erste Opfer in Deutschland zu beklagen sind. Die Sicherheitsbehörden müssen alles tun, um dies zu verhindern. Die Botschaft ist klar: keine Stellvertreterkriege auf deutschen Straßen!