Meinung
Zwischenruf

War Guido Cantz in Lurup am Werk?

Der Autor ist Chefreporter beim Abendblatt.

Der Autor ist Chefreporter beim Abendblatt.

Foto: Michael Zapf

Hamburg. Wie tief ist eine Fernsehnation eigentlich gesunken, wenn sich eine Lachnummer wie Guido Cantz als Komiker des Landes begreift? Verstehen Sie Spaß? Am Sonnabend durfte er wieder langweilen – stundenlang, im Ersten, zur besten Sendezeit. Auf der nach unten offenen Richterskala erreichte das Niveau verblüffende Werte. Teilweise traute man seinen Ohren und Sinnen nicht. Man muss schon eine Menge Spaß verstehen, um so etwas lustig zu finden.

Meinte zumindest Kumpel Wolle beim sonntäglichen Telefonat zu früher Stunde. Den Mann auf dem Weg zum Job aus den Träumen zu holen, ist ein seit Jahren lustvoll trainiertes Vergnügen. In der Regel arbeiten wir dann die Bundesligaresultate des Wochenendes auf. Wolle ist HSV-Fan und hat daran schwer zu schlucken. Jetzt jedoch war punktspielfrei. Daher Guido Cantz.

Brummbär Wolle, noch einen Grad kratzbürstiger als gemeinhin, redete sich in Rage. „Da hört der Spaß auf“, dröhnte es aus dem Autolautsprecher. Der Adressat seiner Verbitterung war nicht zweifelsfrei zu identifizieren? Meinte er immer noch Scherzkeks Guido? Die sommerlichen Temperaturen inmitten der Herbstferien? War er im gedanklichen Flankenwechsel zum früheren HSV-Strategen Rafael Ferdinand van der Vaart gelangt, der nachmittags vermeintliche „Allstars“ um sich versammeln wollte? Was Wolle als Witz verstand.

„Papperlapapp!“, grunzte es aus dem Off. Gemeint war ein Kreisverkehr in Lurup, direkt vor der Trabrennbahn in seinem Heimatstadtteil: „Eine riesige Lachnummer, ein Schildbürgerstreich.“ Vielleicht stehen irgendwo Kameras, mutmaßte er. Und Guido führt Regie.