Meinung
Kommentar

Carsten Brosda: Ein überzeugender SPD-Schachzug

Peter Ulrich Meyer leitet das Ressort Landespolitik des Hamburger Abendblatts.

Peter Ulrich Meyer leitet das Ressort Landespolitik des Hamburger Abendblatts.

Foto: HA / A.Laible

Der Kultursenator soll für die Bürgerschaft kandidieren. Selbst bei einer Niederlage in der Bürgerschaftswahl 2020 wäre das ein Gewinn.

Die Kulturpolitik in Hamburg ist ein traditionell schwieriges Pflaster. Der Etat ist klein, die Begehrlichkeiten sind groß. Es allen recht zu machen, ist fast unmöglich. Nicht nur die Spitzen der großen Häuser wollen umhegt und gepflegt werden. Und im Zweifel muss ein Kultursenator darüber hinaus auch imstande sein, schnell für qualifizierten, hochrangigen Ersatz zu sorgen, wenn ein Intendant die Stadt verlassen will.

In der Hamburger Dauerregierungspartei SPD hat die Kulturpolitik – wie lange auch der Bereich Wissenschaft – trotz der Bedeutung für den Standort Hamburg keinen allzu hohen Stellenwert gehabt. Es ist wohl kein Zufall, dass die beiden letzten von der SPD nominierten und sehr angesehenen Kultursenatorinnen – Christina Weiss und Barbara Kisseler – parteilos waren.

Carsten Brosda hat das glatte Parkett unfallfrei überstanden – und mehr

Jetzt ist mit Carsten Brosda erstmals seit mehr als 30 Jahren wieder ein Sozialdemokrat Kultursenator. Der 45 Jahre alte Journalist und Politikwissenschaftler hat seit seinem Amtsantritt 2017 nicht nur das glatte Parkett der Kultur unfallfrei überstanden, sondern, mehr noch, sich Ansehen in der anspruchsvollen Kulturszene erworben.

Das allein könnte für die SPD ein Grund sein, ihn auf einem aussichtsreichen Platz für die Bürgerschaftswahl zu nominieren. Es kommt hinzu, dass Brosda gern über den Tellerrand von Theater, Oper usw. hinausblickt und ein kluger politischer Analytiker ist. Es ist ja so: Sollten die Sozialdemokraten dem nächsten Senat angehören, dürfte die Zahl der von ihnen besetzten Senatsposten geringer ausfallen.

Ob die SPD dann noch den Kultursenator stellt, ist fraglich. Sollte die SPD in der Opposition landen, könnte der rhetorisch versierte Brosda eine Bereicherung der Debattenkultur in der Bürgerschaft sein. Aus SPD-Sicht wäre es daher wohl klug, sich der Mitarbeit dieser politischen Begabung an herausgehobener Stelle auch künftig zu versichern.