Meinung
Zwischenruf

Alltag in der Redaktion: Büro-Ärger am Kühlschrank

Warn-Mails und Räumungsandrohungen – in Sachen Kühlschrank herrscht in der Abendblatt-Redaktion Büro ein wenig Wildwest.

Hamburg.  In unseren beiden Bürokühlschränken sieht es ein wenig so aus, wie man es aus vielen WGs kennt (lang, lang ist’s her). An vielen Lebensmitteln kleben kleine Zettel mit den Namen derjenigen, die ihre Sachen dort deponiert haben und mutmaßlich zu gegebener Zeit auch essen wollen. Manche Abteilungen okkupieren ganz Schubladen – da soll mal jemand aus einer anderen Abteilung versuchen, seine Dinge dazwischenzulegen! Ich habe es nie gewagt.

Ein wenig herrscht aber auch Wildwest. Von Zeit zu Zeit gehen dann interne E-Mails rum, in denen Kollegen mehr oder weniger höflich (meist weniger) nachfragen, wohin ihr Joghurt verschwunden sei oder ihre Cola. Und dann gibt es regelmäßig E-Mails mit der Warnung, dass am Stichtag X abgelaufene oder sichtbar verdorbene Lebensmittel entsorgt werden würden, um den Kühlschrank grundreinigen zu können.

Zwei Nektarinen im Ikea-Plastikbeutel

Wenn das mal alles so einfach wäre. Nehmen wir beispielsweise die zwei Nektarinen in einem kleinen Ikea-Plastikbeutel. Ich bin relativ sicher, dass ich sie kürzlich reingelegt habe, aber ich schreibe nun mal grundsätzlich keine Namen an meine Lebensmittel. Nektarinen sind recht lange haltbar. Ich esse viel Obst und kann mich daher nicht erinnern, ob ich besagte Früchte nicht möglicherweise doch schon gegessen habe.

Man vergisst derlei leicht. Und die Krux: Ikea ist ein Großkonzern, Nektarinen sind ein Allerweltsprodukt – jeder sonst könnte sie genauso verpackt und eingelagert haben wie ich. Also wage ich nicht, die Früchte, die im Kühlschrank liegen, zu essen. Und deshalb fallen sie vermutlich dem nächsten Großreinemachen zum Opfer und landen im Müll. Ein Jammer!

In meiner WG zu Studentenzeiten wäre das nie passiert. Das bisschen Essen, das wir im Kühlschrank hatten, landete immer auf unseren Tellern, nie im Mülleimer. Gab ohnehin meist Spiegelei, Rührei oder Nudeln mit Tomatensauce – dafür reichte das Geld, zu viel mehr nicht. Und Zettel hatten wir auch nicht. Wer futtert dem anderen schon heimlich was weg, wenn man zu zweit wohnt?