Meinung
Gastbeitrag

Attacke auf das Rückgrat unserer Wirtschaft

Andreas Fischer-Appelt ist Co-Gründer der PR-Agentur Fischer-Appelt und Hamburger Landeschef des Verbandes Die Familienunternehmer.

Andreas Fischer-Appelt ist Co-Gründer der PR-Agentur Fischer-Appelt und Hamburger Landeschef des Verbandes Die Familienunternehmer.

Foto: Roland Magunia / Hamburger Abendblatt

Der Internationale Währungsfonds klagt familiengeführte Unternehmen an – und sitzt dabei einer Verkettung von Denkfehlern auf.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) ist eigentlich als Stabilitätsanker bekannt. Mit dem Ziel der internationalen Finanzmarktstabilität ist die Sonderorganisation der Vereinten Nationen weltweit aktiv. In der Finanz- und Eurokrise war sie eine wichtige Stütze bei der Unterstützung von EU-Staaten, die in schweres Fahrwasser geraten sind.

Umso überraschender ist, dass ebendieser IWF kürzlich hinterrücks einen zentralen Stabilitätsanker unserer Volkswirtschaft attackiert hat: die Familienunternehmen. Die IWF-Ökonomen behaupten, dass familiengeführte Unternehmen für eine hohe Vermögensungleichheit sorgen würden, weil die Unternehmensvermögen in der Hand weniger reicher Familien lägen.

Familienunternehmer: Vermögen ist Betriebsvermögen

Dabei sitzt der IWF einer ganzen Verkettung von Denkfehlern auf. Es ist sicher nicht gänzlich von der Hand zu weisen, dass einzelne Unternehmerfamilien ein gewisses Vermögen bei sich vereinen. Doch an dieser Stelle irrt der IWF zum ersten Mal. Denn dieses Vermögen ist kein prall gefülltes Girokonto; es sind meist auch keine liquiden Aktien, die von heute auf morgen an der Börse zu Geld gemacht werden können. Das Vermögen ist Betriebsvermögen und Familienvermögen. Die Werte stecken zum allergrößten Teil fix im Unternehmen, in Form von Patenten, Maschinen und Fabrik­hallen.

Außerdem ist es Vermögen, das meist über Jahrzehnte und Generationen hinweg aufgebaut wurde und in Zukunft weitergegeben werden soll. Oft ist bereits geregelt, dass die Kinder den Betrieb einmal übernehmen. Das vom IWF so gescholtene Familienvermögen ist gewissermaßen Treuhandvermögen, das gehegt, gepflegt und weitergegeben wird.

In AGs treiben Aktionäre das Management vor sich her

Doch der Ungleichheitsvorwurf ist auch auf anderer Ebene unzutreffend. In der Wirtschafts- und Finanzkrise waren die Tausenden Familienunternehmen der Fels, auf den die deutsche Volkswirtschaft bauen konnte. Familienunternehmen haben höhere Eigenkapitalquoten und sind dadurch deutlich krisenfester. Außerdem sind sie keinen Aktionären verpflichtet, die das Management vor sich hertreiben und regelmäßig Kurszuwächse und üppige Dividenden einfordern. Zudem werden DAX-Konzerne zunehmend von Großaktionären aus dem Ausland beeinflusst, etwa Blackrock. Sie sind daher weniger verlässlich für den Standort. Familienunternehmen haben dagegen eine hohe Bindung an ihre Region. Die ganze Volkswirtschaft profitiert.

Das zeigt sich besonders in schlechten Zeiten: Familienunternehmen können sie eher meistern und die Belegschaft halten. Ihre Bedeutung für den Arbeitsmarkt darf man nicht unterschätzen. In der Summe stellen sie rund 60 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze und circa 80 Prozent aller Ausbildungsstellen.

Familienunternehmer in der Region verwurzelt

Damit kommt ihnen eine überragende Verantwortung in der Gesellschaft zu, die sie auch gern übernehmen. Viele Familien sind fest in ihrer Region verwurzelt, die Unternehmen sponsern lokale Sportvereine, Kulturevents und sind mit der Gewerbesteuerzahlung wichtiger Rückhalt für die Kommunen.

Der Internationale Währungsfonds wurde im Jahr 1944 gegründet, die Bundesrepublik ist ihm 1952 beigetreten. In dieser Zeit hat sich die Soziale Marktwirtschaft in der BRD durchgesetzt. Auf ihrer Grundlage begann ein beispielloses Wirtschaftswunder.

Die Grundprinzipien sind bis heute Freiheit, Eigentum, Verantwortung und Wettbewerb. Dieser Entwurf der Marktwirtschaft ist ein goldener Mittelweg zwischen dem Börsenkapitalismus der USA und dem heutigen Staatskapitalismus in China.

Freier und fairer Wettbewerb hat auf Grundlage unternehmerischer Freiheit für Innovationen und Wachstum gesorgt. Fairer Wettbewerb ist es, der es ermöglicht, dass ständig neue Familienunternehmen gegründet werden. Der Mittelstand ist offen für neue Gründer und gibt jedem eine Chance.

Familienunternehmen haben sich mit ihrem nachhaltigen Wirtschaften zur tragenden Säule unserer Wirtschaft gemausert. Die Politik tut gut daran, dieses Rückgrat zu stärken. Dem IWF sei ein Besuch in Deutschland nahegelegt. Wo, ist eigentlich egal. Familienunternehmen gibt es landauf, landab – im Dorf wie in der Metropole. Rückgrat eben.