Meinung
Gastbeitrag

Die Vielfalt der Hochschullandschaft muss gestärkt werden

| Lesedauer: 5 Minuten
Frank Böttcher
Frank Böttcher ist
Meteorologe und
Befürworter eines
Science Centers in
Hamburg.

Frank Böttcher ist Meteorologe und Befürworter eines Science Centers in Hamburg.

Foto: Mark Sandten

Science Center: Warum Hamburg diese Einrichtung braucht. Bedeutung der Wissenschaft für Hamburg ist nicht zu unterschätzen.

Hamburg bekommt eine Universität mit Exzellenzstatus. Dazu kann man dem Präsidenten der Uni und uns allen nur gratulieren. Die strategische Bedeutung der Wissenschaft für den Standort Hamburg ist nicht zu unterschätzen. Die Ausstrahlung auf die Bereiche Wirtschaft und Innovationskraft ist so groß, dass alle Hamburger an dieser Stelle so zufrieden sein dürfen wie der Präsident der eben ausgezeichneten Universität.

Es gehört zum politisch logischen Ablauf, dass kurz nach der Entscheidung Forderungen seitens der Universität nach einer stärkeren finanziellen Ausstattung eben dieser aufgekommen sind. Das ist verständlich, und der Finanz­bedarf der Universität ist gegeben. Doch es geht um mehr. Es geht um den Erhalt und Ausbau der Vielfalt in Wissenschaft und Lehre Hamburgs. Es darf jetzt keine Monopolisierung geben, kein nur an den Bedürfnissen einer Einrichtung ausgerichtetes Handeln. Wissenschaft lebt von der Vielfalt. Völlig zu Recht hat die Wissenschaftssenatorin dieses benannt und eine gleichberechtigte Entwicklung aller Einrichtungen im Blick. Doch geht es nicht nur um das Mitnehmen der Hochschulen auf dem Weg, Hamburg als Wissenschaftsstandort in der ersten Liga zu verankern. Es geht auch um das Mitnehmen aller Hamburgerinnen und Hamburger, die nicht oder nicht mehr mit den Hochschulen in Berührung sind.

Nicht Geld allein ist entscheidend

Nicht Geld allein ist nun entscheidend. Zwei Dinge sind diesem Zusammenhang nicht von der Hand zu weisen. Zum einen ist es wichtig, die Zusammenarbeit unter den Hochschulen weiter zu verstärken. Gab es früher hier durchaus Befindlichkeiten, ist heute allseits eine große Bereitschaft zu mehr Zusammenarbeit zu beobachten. Dieses Potenzial zu nutzen ist eine Chance für den Wissenschaftsstandort. Der zweite und mindestens ebenso wichtige Punkt ist der Dialog mit den Hamburgerinnen und Hamburgern. In einer Zeit, in der wissenschaftliche Erkenntnisse geleugnet werden, in der Wissenschaftler diffamiert werden und in der Unsicherheit geschürt wird, ist es wichtiger denn je, Einrichtungen zu schaffen, die den Stand der Forschung und technologischen Entwicklung sowie Fragen der Nachhaltigkeit der Gesellschaft kontinuierlich zur Verfügung stellen und die umgekehrt die Impulse und Fragestellungen der Bevölkerung aufnehmen.

Beides verbindet sich im Konzept des Science Centers für Hamburg. Es bietet die Möglichkeit, allen Besuchern in ansprechender Weise ein Verständnis über Zusammenhänge, Naturphänomene und Technologie sowie die wissenschaftlichen Erkenntnisse zu bieten. Der MINT-Forschungsrat hat sich in seiner letzten Sitzung klar für eine Machbarkeitsstudie ausgesprochen. Dieses zeigt, dass ein Science Center auch ein wichtiger Baustein für eine engere Zusammenarbeit der Hochschulen sein wird. In Ergänzung zu bestehenden und geplanten Informationszentren in unmittelbarer Nähe der Forschungseinrichtungen, die Publikum mit einem gezielten Interesse informieren, böte ein Science Center in zentraler Lage die Möglichkeit, Besucher mit völlig unterschiedlichen Interessen abzuholen.

Junge Menschen für ein Studium begeistern

Ein Besuch kann maßgeblich dazu beitragen, junge Menschen für ein Studium zu begeistern und den Hochschulen motivierten Nachwuchs zu bringen. Eine solche Einrichtung in der Nähe eines Naturkundemuseums könnte den Blick in die Zukunft richten. Ein Science Center wäre unter inhaltlicher Beteiligung von Wirtschafts- und Umweltverbänden, Hochschulen und Forschungseinrichtungen ein beeindruckendes Schaufenster. Selbstverständlich müsste die Konzeption so sein, dass sie viele Menschen begeistert und sich am Ende wirtschaftlich selbst trägt. Ein solches Haus darf nicht zu einem laufenden Kostenpunkt für die Stadt werden.

Die Initiatoren, zu denen auch der Autor dieses Artikels gehört, sind sich dieser Verantwortung bewusst. Eine solche Konzeption liegt vor. In einer Machbarkeitsstudie, deren Durchführung dem Senat vom Förderverein vorgeschlagen worden ist, soll das überprüft werden. Ein Förderverein für ein Science Center in Hamburg wurde gegründet, und mehr als 40 Forschungseinrichtungen, Hochschulen, Unternehmen, Verbände und Stiftungen haben sich für die Umsetzung ausgesprochen.

Hamburg braucht eine solche Einrichtung, soll die Vielfalt erhalten und die Bevölkerung an der Entwicklung beteiligt werden. Je höher ein Elfenbeinturm werden soll, umso breiter und tiefer sollte sein Fundament in der Gesellschaft verankert sein. Hochwertige Bildung ist eines der 17 zentralen Ziele der UN.

Damit möglichst alle Hamburgerinnen und Hamburger eine Vorstellung davon bekommen, was Wissenschaft bedeutet, wäre es jetzt wichtig, dass der Senat die Machbarkeitsstudie auf den Weg bringt. Hochschulen und Forschungseinrichtungen haben sich längt zur Kofinanzierung bekannt. Am Ende ist ein Science Center viel mehr als der schlüssige nächste Schritt. Es zeigt und dokumentiert die Vielfalt. Und sie ist es, die uns gemeinsam wirklich exzellent werden lässt.

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