Meinung
Offen gesagt

"Blown Away" – Heiße Luft statt Heidi Klum

Joachim Mischke, Chefreporter Kultur des Hamburger Abendblatts und Dauergast in der Elbphilharmonie.

Joachim Mischke, Chefreporter Kultur des Hamburger Abendblatts und Dauergast in der Elbphilharmonie.

Foto: Andreas Laible

Kuchen-Türme bauen, Tango tanzen wie zwei Argentinier, Eiskunstlauf auf Olympia-Niveau, zugerümpelte Häuser aufhübschen, ausgehungert auf High Heels umfallen, während man von Heidi Klum verbal ausgepeitscht wird? Alles nur noch lauwarmer Show-Kram von gestern. Um den Phantomschmerz der Kunden nach dem Ende der dritten „Stranger Things“-Staffel zu lindern, hat Netflix nun ein wunderbares Format aus Kanada ins Sortiment gestellt: „Blown Away“. Kennen Sie noch nicht? Sollten Sie aber. Zehn Kandidaten, die sich für anfangsbegabt halten; zwei Kampfrichter, die fürs Rekrutenschleifen in der Fremdenlegion zu hart sind. Dazu eine Glasbläserei und natürlich jede Menge Scherben, die nicht jedem der Bläser auf dem Weg zum Finale Glück bringen.

Das Ganze ist so absurd hübsch und irre schwierig, dass man kaum fassen kann, wieso es diesen Zehnkampf erst jetzt zu sehen gibt. Niemand kann so etwas unfallfrei, es wird geflucht, gelitten und geschwitzt. Das Material ist noch unberechenbarer als eine launige Opern-Diva. Im nächsten Leben möchte man jedenfalls ganz dringend Glasbläser werden. Denn schöner kann man sich nicht in den Wahnsinn treiben.