Meinung
Leitartikel

Modell Beachvolleyball: So geht Sportförderung

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Rainer Grünberg

Die Sportart zeigt am Hamburger Rothenbaum, wie moderne Sportförderung aussehen kann.

Der deutsche olympische Sport sucht seit Jahren nach Lösungen, wie der Anschluss an die Weltspitze gehalten oder hergestellt werden kann, was wohl die Mehrzahl der Disziplinen betrifft. Eine Leistungssportreform wird gerade auf den Weg gebracht, Potenzialanalysen für Sportler und Sportarten werden erstellt. Das zuständige Bundesinnenministerium erhöhte in diesem Jahr die Zuschüsse für den Leistungssport um 70 Millionen auf mehr als 200 Millionen Euro. Die Leistungsfähigkeit eines Landes wird schließlich auch über sportliche Siege und Meisterschaften wahrgenommen, das Label Made in Germany klebt eben auch an Medaillen und Titeln.

Leistungssport ist heute weit mehr, als talentierte Sportler und gute Trainer zusammenzuführen. Wie ein Erfolgsmodell jenseits des noch weit verbreiteten Dopings aussehen kann, haben die Hamburger Beachvolleyballerinnen Laura Ludwig und Kira Walkenhorst schon vor sieben Jahren gezeigt. Ihr Konzept dient dieser Sportart längst als Blaupause.

Auch Julius Thole/Clemens Wickler vom Eimsbütteler TV haben wie das ehemalige HSV-Duo ein Team an Experten um sich versammelt, die Besten ihres Fachs: Psychologen, Physiotherapeuten, Kraft- und Techniktrainer, Spielbeobachter, das alles unter der unprätentiösen Leistung des slowakischen Chefbundestrainers Martin Olejnak. Ludwig/Walkenhorst wurden Olympiasiegerinnen, Welt- und Europameisterinnen, gewannen alles, was es im Sand zu gewinnen gibt. Die neuen Vizeweltmeister Thole/Wickler schicken sich nun an, ihnen nachzueifern. Mit 22 und 24 Jahren stehen sie am Anfang ihrer Entwicklung.

Als sich Ludwig/Walkenhorst 2012 für ihr Projekt „Gold“ entschieden, waren sie bereit, alles in ihr großes Ziel zu investieren: Zeit, Ehrgeiz, Energie, Geduld, auch eigenes Geld. Weil es heute wahrscheinlich keinen effizienteren Weg an die Weltspitze gibt als hochprofessionelle Insellösungen dieser Art.

Geschätzte 150.000 Euro kosten die Zusatzleistungen jährlich, die über das Betreuungspaket des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV) hinausgehen. Der DVV beteiligt sich bei Thole/Wickler an rund 70 Prozent dieser Extraausgaben, den Rest finanzieren Teamsponsoren. Das Geld scheint offenbar gut angelegt.

Der Dulsberger Olympiastützpunkt Hamburg/Schleswig-Holstein und der neue Bundesstützpunkt Beachvolleyball am Alten Teichweg haben sich mit ihrem umfassenden Serviceangebot zudem als moderne Trainingsbasis bewährt, die alle Ansprüche erfüllt. Dieses Zusammenspiel von Personen und Institutionen macht heute sportliche Ausnahmeleistungen wie die von Thole/Wickler erst möglich.

Zum Erfolg, der Entwicklung einer Sportart und deren Sportlerinnen und Sportler tragen ebenso Spitzenveranstaltungen wie diese Beachvolleyball-Weltmeisterschaft bei. Heimturniere seien essenzieller Anteil der Sportförderung, müssten vom Bund ebenso ausreichend unterstützt werden wie das gesamte Leistungssportsystem, fordert René Hecht, der Präsident des Volleyballverbandes. Das geschieht bisher nicht. Der Heimvorteil war am Rothenbaum unverkennbar, Thole/Wickler nutzten ihn.

Der 3,5-Millionen-Euro-Zuschuss der Stadt für diese WM ist nicht nur mit diesen Effekten zu rechtfertigen. Den Hamburgern und ihren Gästen wurden zehn Tage lang Weltklassesport bei freiem Eintritt geboten. Die Fernsehbilder des voll besetzten Center Courts liefen in mehr als 70 Ländern der Welt, transportierten positive Emotionen rund um den Globus. Das ist modernes Stadtmarketing. Es zeigt, dass Hamburg zwar nicht nackig, doch weitgehend textilfrei kann. Sportsenator Andy Grote (SPD) lässt daher keinen Zweifel daran, dass die beginnende Tradition dieser Turniere fortgesetzt werden soll. Nicht um jeden Preis, jedoch um einen vernünftigen. Und der zeichnet sich ab.

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