Meinung
Kommentar

Mahnmal für Gestapo-Opfer: Ein mutiger, klarer Entwurf

Ein unübersehbares Mahnmal: So soll der Fußweg entlang der Stadthöfe bald aussehen.

Ein unübersehbares Mahnmal: So soll der Fußweg entlang der Stadthöfe bald aussehen.

Foto: missing icons

Ein angemessener Gedenkort in den Stadthöfen fehlt weiterhin – dafür könnte das Mahnmal vor dem Gebäude umso eindringlicher erinnern.

Gute politische Kunst ist häufig einfach, unmittelbar eingängig. Wer den Entwurf für die Gestaltung des Bürgersteigs vor dem Stadthaus, dem ehemaligen Gestapo-Hauptquartier und damit einem Ort von Folter und Mord durch die Nazis, betrachtet, der ist sofort berührt und irritiert. Wie Blutlachen breiten sich die unterschiedlich großen, miteinander verbundenen Flächen neben und zwischen dem Pflaster aus.

Kaum jemand wird achtlos vorbeigehen, besser gesagt, darüber hinweggehen können, zumal die fertiggestellten rosafarbenen Tartanfüllungen unter den Schritten der Fußgänger federn – das Moment der Irritation ist also nicht nur optisch, sondern auch haptisch.

Nach all den zurecht heftigen Diskussionen um den nach wie vor beschämend ausgestatteten und ausgestalteten Gedenkort im Gebäude, war ein kräftiger Akzent vor dem Gebäude, im öffentlichen Raum, dringend erforderlich. Dieser Stolperstein, dieser starke Impuls ist den beiden Hamburger Künstlerinnen Ute Vorkoeper und Andrea Knobloch mit ihrem jetzt von einer unabhängigen Jury prämierten Entwurf geglückt. Wichtig ist allerdings, dass die Idee der beiden auch tatsächlich so umgesetzt wird. So wird das Kunstwerk seine volle Wirkung nur entfalten, wenn es vom Neuen Wall bis zum Stadthaus mit sich vergrößernden Tartanflächen realisiert wird.

Die Debatte um den Erinnerungsort Stadthaus ist nicht beendet

Die Debatte darüber, wie die Stadt und die Eigentümerin des Gebäudeensembles, zu dem das Stadthaus gehört, die Quantum AG, eine würdige und angemessene Erinnerung an den Ort der Nazi-Gräuel gestalten sollen, ist damit keinesfalls beendet. Das Kunstprojekt auf dem Bürgersteig liefert die Vorlage, lädt die Passanten idealerweise ein, sich mit der unrühmlichen, dann im Gebäude präsentierten Geschichte des Hauses auseinanderzusetzen. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg.

Der Entwurf für das „Denkzeichen“ auf dem Trottoir gibt ein Niveau vor, das die künftige Gedenkstätte, der Gedenk- oder Erinnerungsort Stadthaus, unbedingt einlösen muss.