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Kommentar

Hamburg – wo der Jazz eine große Bühne hat

Der Autor ist stellvertretender Leiter des Kulturressorts beim Hamburger Abendblatt.

Der Autor ist stellvertretender Leiter des Kulturressorts beim Hamburger Abendblatt.

Foto: Michael Rauhe

Das Elbjazz schreibt seine Erfolgsgeschichte fort. Das Festival ist (auch) der perfekte Einstieg für Jazz-Neulinge.

Hamburg. 15.000 Besucher an jedem der beiden Festivaltage: Das Elbjazz schreibt seine 2015/16 durch eine finanzielle Schieflage kurzzeitig ins Stocken geratene Erfolgsgeschichte auch mit der neunten Auflage fort. Dabei sind es bei weitem nicht nur Jazzfans mit kompletter John-Coltrane-Sammlung und Fachmagazin-Abo, die in den Hafen kommen. Eher im Gegenteil. Das Festival ist (auch) der perfekte Einstieg für Jazz-Neulinge, die hier an das vielfältige Genre herangeführt werden. Mag manchem Puristen das Programm zu funk-, soul- und blues-lastig sein: Ein Star wie Jamie Cullum kurbelt den Kartenverkauf an, Bands wie Tower of Power und Jungle By Night sorgen für Partystimmung.

Und wenn das Publikum erst mal da ist, gibt es in entspannter Wohlfühlatmosphäre noch viel, viel Platz, für all das, was im engeren Sinne als „Jazz“ gilt. Für eine Legende wie Saxophonist Benny Golson und Weltklasse-Pianist Jason Moran, für die Hamburger Jazzpreisträgerin Lisa Wulff und das international hoch geschätzte Michael Wollny Trio. Viele Festival-Besucher, die hauptsächlich wegen der Top-Stimmung in tollem Hafen-Ambiente gekommen sind, werden die Genannten hier erstmals gehört haben. Und dürften begeistert nach Hause gefahren sein – als neue Jazz-Fans. Hier ähnelt das Elbjazz der Elbphilharmonie, die in den zweieinhalb Jahren seit Eröffnung Zehntausende erstmals ganz unmittelbar mit klassischer Musik in Berührung gebracht hat.

Kein Jazz-Festival auf deutschen Boden hat eine mit dem Elbjazz vergleichbare Strahlkraft. Um so folgerichtiger die Bestrebungen, einen nationalen Jazzpreis ab 2020 in Hamburg zu verleihen. Das Konzept ist da, über die Finanzierung wird verhandelt – kaum vorstellbar, dass sich nicht auch die Stadt Hamburg sichtbar engagiert. Wenn der Jazz eine große Bühne hat, dann hier.