Meinung
Kommentar

Unterhalt: Von wegen Rabenvater

Julia Emmrich

Julia Emmrich

Foto: Reto Klar

Partnerschaften gehen in die Brüche, Eltern erproben neue Familienmodelle. Warum eine Reform des Unterhaltsrechts nötig ist.

Wer will, dass sich Väter mehr um ihre Kinder kümmern, der muss es auch wertschätzen, wenn es dann endlich passiert. Man kann nicht Jahrzehnte lang mehr väterliches Engagement im Kinderzimmer einfordern und dann kneifen, wenn diese neuen Väter ihre Rolle ernster nehmen als erwartet. Ein Vater, der sich nach der Trennung weiterhin intensiv um seine Kinder kümmert, stellt zu Recht die Frage, warum er genauso viel Unterhalt zahlen muss wie ein Vater, der höchstens mal am Wochenende hereinschneit.

Es ist deshalb auch völlig richtig, dass die Politik das Unterhaltsrecht, aber auch das Umgangsrecht reformieren will. Denn dass Partnerschaften in die Brüche gehen, Eltern neue Familienmodelle erproben und dabei die Betreuung der Kinder möglichst individuell aushandeln wollen, das ist längst zum Normalfall geworden.

Harmonische Trennung? Der Alltag sieht anders aus...

Was natürlich nicht heißt, dass alles glattläuft. Das Idealbild des harmonisch kooperierenden Trennungspaars kriegt Kratzer, sobald man in die Untiefen des Alltags absteigt. Das fängt bei außerordentlichen Anschaffungen für das Kind an, geht über Kosten für Auto, Urlaub und Sportverein und endet beim Wohnen: Wäre es zum Beispiel wirklich fair, der Mutter die Unterhaltszahlung zu kürzen, wenn der Vater eine größere Wohnung mietet, damit das Kind auch bei ihm ein eigenes Zimmer hat? Ganz so, als ob die Mutter im Gegenzug das Kinderzimmer tageweise vermieten könnte? Mit einem Wort: Nein. Es wäre nicht fair.

Eine Reform des Familienrechts ist trotzdem nötig. Sie sollte anerkennen, dass sich immer mehr getrennte Eltern gemeinsame Betreuungsmodelle wünschen. Und immer mehr Väter nicht mehr nur Zahlväter sein wollen. Aber: Eine solche Reform wird auch in Zukunft nicht verhindern können, dass Familienrichter im Zweifelsfall zwischen vielen schlechten Lösungen die­jenige herausfinden müssen, die das Kind am wenigsten belastet. Eine Standardlösung gibt es dafür nicht. Der Staat sollte auch keine vorgeben.