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Kommentar

Von wegen Rabenvater: Unterhaltsreform ist nötig

Das Familienministerin will den Unterhalt für Trennungskinder neu ordnen. Das ist schwierig, aber notwendig.

Das Familienministerin will den Unterhalt für Trennungskinder neu ordnen. Das ist schwierig, aber notwendig.

Foto: Monika Skolimowska / dpa

Es würde nicht automatisch für familiären Frieden sorgen. Notwendig ist eine Reform des Unterhaltsrecht trotzdem. Die Gründe dafür.

Auf den ersten Blick ist die Sache völlig klar: Wer will, dass sich Väter mehr um ihre Kinder kümmern, der muss es auch wertschätzen, wenn es dann endlich passiert. Man kann nicht Jahrzehnte lang mehr väterliches Engagement im Kinderzimmer einfordern und dann kneifen, wenn diese neuen Väter ihre neue Rolle ernster nehmen als erwartet.

Ein Vater, der sich nach der Trennung weiterhin intensiv um seine Kinder kümmert, stellt zu Recht die Frage, warum er genauso viel Unterhalt zahlen muss wie ein Vater, der höchstens mal am Wochenende hereinschneit.

Es ist deshalb auch völlig richtig und längst überfällig, dass die Politik das Unterhaltsrecht, aber auch das Umgangsrecht reformieren will. Denn dass Partnerschaften in die Brüche gehen, ­Eltern neue Familienmodelle erproben und dabei die Betreuung der Kinder möglichst individuell aushandeln wollen, das ist gerade in Großstädten längst zum Normalfall geworden. Und es werden mehr.

Mehr als 2,6 Millionen Alleinerziehende – die meisten leben bei der Mutter

In Deutschland erleben jedes Jahr rund 140.000 Kinder und Jugendliche die Scheidung ihrer Eltern, Tausende weitere Kinder müssen sehen, wie sich ihre nicht verheirateten Eltern trennen. Mehr als 2,6 Millionen Alleinerziehende gibt es mittlerweile, in neun von zehn Fällen leben Trennungskinder hauptsächlich bei der Mutter.

Studien zeigen, dass das Bild vom Rabenvater, der sich nach der Trennung aus der Verantwortung stiehlt und (im besten Fall) allenfalls noch Geld überweist, in vielen Fällen mit der Wirklichkeit nichts zu tun hat: Die Mehrheit der Väter, deren Kind hauptsächlich bei der Mutter lebt, teilt sich mit ihr das gemeinsame Sorgerecht.

Hintergrund: Reform beim Unterhalt: Wie Väter in Zukunft profitieren

Mehr als die Hälfte hat alle zwei Wochen persönlichen Kontakt zum Kind, knapp ein Drittel mindestens einmal pro Woche. Über drei Viertel der getrennten Eltern wohnen in weniger als einer Stunde Fahrtzeit voneinander entfernt, knapp ein Fünftel wohnt im selben Ortsteil.

Harmonisch kooperierende Trennungspaare sind die Ausnahme

Was natürlich nicht heißt, dass alles glatt läuft. Das Idealbild des harmonisch kooperierenden Trennungspaars kriegt Kratzer, sobald man in die Untiefen des Alltags absteigt. Da erscheint dann auf einmal der fürsorgliche Vater als Typ, der sich am Ende doch nur wieder die familiären Rosinen herauspickt. Der sonnabends mit der Tochter ins Stadion geht und in den Ferien mit dem Sohn am Wochenende zum Zelten.

Der ausgerechnet immer dann wichtige Termine im Job hat, wenn die Kinder krank sind und die Mutter eigentlich ins Büro müsste. Keine Frage: Auch Männer können fiese Geschichten über ihre Ex-Frauen erzählen, die sich nicht an Absprachen halten und das Kind gegen den Vater aufhetzen.

Beim Geld wird es in den Familien schnell heikel

Geht es ums Geld, wird es erst recht heikel. Das fängt bei außerordentlichen Anschaffungen für das Kind an, geht über Kosten für Auto, Urlaub und Sportverein und endet beim Wohnen:

Wäre es zum Beispiel wirklich fair, der Mutter die Unterhaltszahlung zu kürzen, wenn der Vater eine größere Wohnung mietet, damit das Kind auch bei ihm ein eigenes Zimmer hat? Ganz so, als ob die Mutter im Gegenzug das Kinderzimmer tageweise vermieten könnte? Mit einem Wort: Nein. Es wäre nicht fair.

Wo keine Standardlösung ist, kann auch keine vorgegeben werden

Eine Reform von Unterhalts- und Umgangsrecht ist trotzdem nötig. Sie sollte anerkennen, dass sich immer mehr getrennte Eltern gemeinsame Betreuungsmodelle wünschen. Und immer mehr Väter nicht mehr nur Zahlväter sein wollen.

Aber: Eine solche Reform wird auch in Zukunft nicht verhindern können, dass Familienrichter im Zweifelsfall zwischen vielen schlechten Lösungen diejenige herausfinden müssen, die das Kind am wenigsten belastet. Eine Standardlösung gibt es dafür nicht. Der Staat sollte auch keine vorgeben.