Meinung
Kolumne

Die Bundesliga ist besser als die Premier League

| Lesedauer: 4 Minuten
Kai Schiller
Der Autor ist Sport-Reporter beim Abendblatt

Der Autor ist Sport-Reporter beim Abendblatt

Foto: HA / Andreas Laible

Muss man nach den drei deutsch-englischen Duellen in der Champions League das Schlimmste befürchten? Ganz im Gegenteil.

Am Ende wussten es doch alle schon vorher: Die Bundesligavertreter hatten in den drei deutsch-englischen Vergleichen in der Champions League natürlich keine Chance. Deutschlands Spitzenreiter Dortmund wurde von Tottenham mit 0:3 vermöbelt. Rekordmeister Bayern durfte sich nach einer der besten Saisonleistungen immerhin über ein hart erkämpftes 0:0 in Liverpool freuen. Und Manchester City ließ Schalke zwar lange an der Wurst schnuppern, ehe Pep Guardiolas Wunderteam dann doch Ernst machte und in Gelsenkirchen 3:2 gewann. Das Zwischenfazit nach den Hinspielen: Premier League 6, Bundesliga 2.

Natürlich wird es nicht lange dauern, ehe nun allerhand Experten aufschreien und den Untergang von Fußball-Deutschland heraufbeschwören und konstatieren, dass die Premier League die Bundesliga nun endgültig abgehängt habe. „Bild“-Kolumnist Alfred Draxler hatte bereits vor dreieinhalb Jahren in Bezug auf die offenbar nimmer versickernde Geldquelle Premier League gefordert: „Wenn die Bundesliga da auch nur halbwegs mithalten will, muss sie neue Wege gehen – auch ohne ,50+1‘.“

Sind diese drei Königsklassen-Duelle also tatsächlich der letzte Beweis, dass sich auch die Bundesliga mehr Investoren öffnen muss? Mehr Kinds (Hannover), Hopps (Hoffenheim), Kühnes (HSV)? Mehr VW (Wolfsburg) und Bayer (Leverkusen)? Und im Zweifelsfall eben auch mehr Al Nahyans (City), mehr Abramowitschs (Chelsea) und mehr Glazers (United)?

Die klare Antwort: Auf keinen Fall!

Sicherlich hat die Premier League, „das schillerndste Produkt des Weltfußballs“ („Der Spiegel“), der Bundesliga längst den Rang abgelaufen. Englands Clubs bekommen 6,9 Milliarden Euro in drei Jahren aus der TV-Vermarktung, Deutschlands Vereine erhalten in vier Jahren 4,6 Milliarden Euro. Und natürlich wechseln die Top-Stars schon seit Jahren auf die Insel, wo sie 65.000 Euro im Schnitt kassieren – pro Woche!

Man kann als deutscher Fan also regelrecht verzweifeln – oder gerade eben nicht.

Es mag ein wenig naiv klingen, aber geht es im Fußball nicht eigentlich um mehr als um Champions-League-Siege, Merchandising-Erlöse in Asien und den besten TV-Vertrag aller Zeiten? Hat der Fußball nicht auch so etwas Ähnliches wie eine gesellschaftliche Relevanz? Ist er nicht allgemeines Kulturgut?

In England lautet die Antwort: No! Fans (und Medien) können nicht beim Training zuschauen, wie es hierzulande (noch) die Regel ist. Auch Stehplätze gibt es auf der Insel keine. Beim HSV ist die Nordtribüne mit 10.000 Stehplätzen dagegen immer ausverkauft. Auch in der Zweiten Liga. Der Durchschnittspreis beträgt hier 10,82 Euro.

Natürlich ist auch Deutschland keine heile Elf-Freunde-Welt mehr. Fans und Verantwortliche streiten wegen zunehmender Kommerzialisierung, der Abschaffung der 50+1-Regel, Montagsspielen, des Einsatzes von Pyrotechnik und Helene Fischer als Halbzeitspektakel. Der entscheidende Unterschied zu England: Hier wird immerhin gestritten, weil es noch jede Menge Dinge gibt, um die gestritten werden kann.

Die gibt es in Great Britain schon lange nicht mehr. Zehn Jahre ist es her, als Manchester Citys Fanchef Kevin Parker bei einem Abendblatt-Besuch eine folgenschwere Antwort auf die Frage zur zunehmenden Kommerzialisierung gegeben hat: „Für den Titel würde ich meine Seele dem Teufel verkaufen.“

Nun ja, der Teufel hat sich das nicht zweimal sagen lassen. Gerade erst hat die BBC berichtet, dass elf von 20 Premier-League-Clubs Geld für die Einlaufkinder nehmen, die vor dem Anpfiff an der Hand der Spieler einmarschieren. West Ham United nimmt 600 Pfund, in Tottenham gibt es Angebote zwischen 250 und 400 Pfund. Das ist der Preis, den man in England für die beste und größte Fußballliga der Welt zahlen muss.

Wenn also tatsächlich Bayern, Dortmund und Schalke nach den Rückspielen der Champions League gegen Liverpool, Tottenham und Manchester ausscheiden, bleiben eigentlich nur zwei Worte, die einem dazu einfallen:

Na und?!

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