Meinung
Kommentar

Tom Tailor gewinnt Zeit durch Übernahme

Den Chinesen geht es mit der Übernahme hauptsächlich darum, das viele Geld nicht komplett abschreiben zu müssen.

Hamburg. Zu viele unrentable Filialen, zu viele unverkäufliche Kleidung im Lager, ein lange sträflich vernachlässigtes und deshalb unterentwickeltes Onlinegeschäft, dazu noch ein die Shopping-Laune der Kunden lähmendes Wetter im vergangenen Jahr und ein verlustbringendes Tochterunternehmen als Klotz am Bein – die Liste der Probleme, mit denen sich das Management des Hamburger Modekonzerns Tom Tailor seit geraumer Zeit herumschlägt, ist lang und bei Weitem noch nicht vollständig. Es ist ein Mix aus Altlasten, unvorhersehbaren Marktentwicklungen und schlichtem Pech.

Trotzdem hat der chinesische Hauptaktionär Fosun jetzt seinen Anteil an dem Konzern vom Garstedter Weg in Niendorf erhöht und den anderen Aktionären angeboten, ihre Tom-Tailor-Anteile zu kaufen. Die Beteiligungsgesellschaft will eine Fashion-Firma übernehmen, die im von der Branchenkrise besonders gebeutelten mittleren Preissegment unterwegs ist, kein klares Markenprofil hat und sich mit dem Kauf von Bonita einen Verlustbringer ins Haus holte. Warum?

Tom Tailor gewinnt nicht viel

Den Chinesen geht es wohl hauptsächlich darum, das viele Geld, das sie in den vergangenen Jahren in Tom-Tailor-Aktien gesteckt haben, nicht komplett abschreiben zu müssen. Und was hat Tom Tailor von dem Deal? Finanziell erst mal nicht viel. Die 8,6 Millionen Euro aus der Kapitalerhöhung werden keine Wende zum Besseren auslösen können.

Psychologisch aber kann das Übernahmeangebot aus Shanghai wertvoll sein. Die Botschaft an die Banken lautet: Da ist einer, der an die Zukunft von Tom Tailor glaubt. Der Hamburger Konzern dürfte Zeit gewinnen, seine lange Problemliste weiter abzuarbeiten.