Meinung
Zwischenruf

Bitter ist out – alles ist nur mehr rosarot

Der Autor ist Sportreporter beim Abendblatt

Der Autor ist Sportreporter beim Abendblatt

Foto: Klaus Bodig

Als Lieblingsfarbe kleiner Prinzessinen hat die Verpinkung angefangen – und greift jetzt weiter um sich.

„Was?“, fragte die junge Verkäuferin in einem dieser Saftläden in einem Hamburger Einkaufszentrum, „Grapefruits waren mal gelb?“ Ja, waren sie. Damals hießen sie allerdings noch Pampelmusen und waren schön bitter.

Aber nicht nur in dieser teuren Saftpresse hat sich die klassische Variante der dicklichen Zitrusfrucht verabschiedet. Schauen Sie einmal in das Supermarktregal bei den Säften: Pink Grapefruit noch und nöcher. Kein Gelb – und es schmeckt jetzt eher süßlich statt herzhaft bitter.

Wann ist diese Verpinkung eigentlich über uns gekommen? Als Lieblingsfarbe aller kleinen Prinzessinnen zwischen zwei und sieben gibt es das ja schon länger, fragen Sie einmal Prinzessin Lillifee, „mein kleines Pony“ und – ja – auch Cindy von Marzahn. Der Cocktail Pink Flamingo wird mit Cranberrysaft und Wodka gemixt und gilt als „fancy“. Selbst der HSV hatte vor zwei Jahren rosa Leibchen auf den Markt geworfen. Wo das hinführte wissen wir ja. 2019 zählt Pink in allen Abstufungen sogar zu den Trendfarben – von Barbie-Pink bis zu Magenta.

Dabei ist die Welt oft genug doch alles andere als rosarot. Sondern bitter. Aber das ist eben nicht so angesagt – nicht einmal im Obstregal.