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Zwischen Hamburg und Berlin: Kommt der harte Brexit?

Lars Haider (l.) ist Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, Christoph Schwennicke ist Chefredakteur des Magazins "Cicero".

Lars Haider (l.) ist Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, Christoph Schwennicke ist Chefredakteur des Magazins "Cicero".

Foto: Laible/Cicero

Der wöchentliche E-Mail-Wechsel zwischen Christoph Schwennicke und Lars Haider. Heute: Was passiert mit Großbritannien, was mit Europa?

Christoph Schwennicke, Chefredakteur des in Berlin produzierten Magazins „Cicero“, und Lars Haider, Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, pflegen eine E-Mail-Freundschaft, die wir jeden Sonnabend an dieser Stelle veröffentlichen.

Haider: Lieber Christoph, ist es sehr naiv, wenn ich mich frage, warum die in Großbritannien nicht merken, dass es höchste Zeit für ein neues Referendum und klug wäre, wenn die das mit diesem dämlichen Brexit sein lassen würden?

Schwennicke: Das machte es für die Europäische Union möglicherweise einfacher, ja. Aber es würde Großbritannien noch mehr ins Chaos stürzen. Es gäbe wieder einen knappen Ausgang, möglicherweise diesmal knapp gegen einen Ausstieg. Und dann würde das Land in einen noch fürchterlicheren Streit verfallen. Ein Referendum knapp für ­„Leave­“, eines knapp für „Remain“. Das garantiert permanenten, unseligen Streit. Außerdem bin ich gar nicht so sicher, dass die Brexit-Gegner diesmal siegen würde. Wir wünschen uns da aus Deutschland heraus viel rein in die britische Stimmungslage.

Haider: Aber wie kommt Europa glimpflich aus dieser verzwickten Lage heraus? Und was kann Deutschland, was kann Angela Merkel dafür tun, um wie versprochen den Schaden für uns möglichst gering zu halten?

Schwennicke: Ich fürchte, man kommt an einem harten Brexit nicht mehr vorbei. Die Kanzlerin kann da jetzt gar nichts mehr machen. Sie hätte 2015/2016 eine andere Politik machen müssen. Denn ihr Migrations-Solo in der EU war das Zünglein an der Waage beim britischen Referendum fürs Rausgehen.

Haider: Das wäre eine Katastrophe für ein Europa, das doch genau das Gegenteil bräuchte – und im Rest der Welt lacht man sich kaputt über einen Kontinent, der sich selbst sein größter Gegner ist. Ich mag gar nicht daran denken, wie die Wahlen zum Europäischen Parlament ausgehen werden …

Schwennicke: Europa, genauer: die Europäische Union hat sich mit der Osterweiterung einen imperial overstretch erlaubt. Das war gut gemeint, aber zu viel auf einmal. Auf diesen Fehler geht viel zurück. Seither wirken die Fliehkräfte. Im Grunde müsste man die Reset-Taste drücken. Das geht aber nicht.