Meinung
Kommentar

Ja, gegen Raser Härte zeigen ...

Ich fahre oft zu schnell, mal unbewusst und, ja, manchmal auch mit Absicht, dann aber meist kalkuliert – also nicht viel zu schnell, sondern so, dass die Strafe nicht allzu dramatisch ausfallen würde. Ich bin nicht stolz darauf. Ich bin wie viele. So viele Zu-schnell-Fahrer wie noch nie hat die Hamburger Polizei 2018 erwischt, Bußgeldbescheide auf Rekordniveau gingen raus. So konsequent wie noch nie ist Hamburg gegen Autofahrer vorgegangen, die zu schnell unterwegs sind – und das ist auch richtig so.

Tempolimits und Geschwindigkeitskontrollen in der Nähe von Schulen, Kitas oder Seniorenheimen schützen Menschen, die nicht immer sicher unterwegs sind – weil sie es noch nicht gelernt haben oder weil sie es nicht mehr können. Radarkontrollen mit fest montierten Geräten an viel befahrenen Straßen zwingen Fahrer, sich zu disziplinieren – Straßen wie die Kieler Straße mit mehreren Spuren pro Richtung verleiten dazu, schneller zu fahren als erlaubt. Nicht nur die Straßen, auch viele Autos verführen dazu: Die Geschwindigkeit nimmt man oft gar nicht mehr wahr.

Wer auf einer Hauptstraße stur mit Tempo 50 unterwegs ist, gilt als Verkehrshindernis. Es wird gedrängelt, riskant überholt, gerast. Deshalb ist es richtig, dass die Stadt nicht nur an bekannten Messstationen wie der Stresemannstraße kontrolliert, sondern auch mobile Radarfallen einsetzt – heute hier, morgen dort.

Waren Sie schon in Frankreich oder der Schweiz unterwegs und haben sich gewundert, warum die einheimischen Autofahrer so pedantisch darauf achten, 50 zu fahren, wo 50 das Limit ist? Dort tun die Strafen richtig weh. Nichts mit Toleranzgrenze, nichts mit kalkuliertem Zu-schnell-Fahren. Fünf Stundenkilometer schneller als erlaubt – und es wird teuer. Vielleicht muss das auch bei uns der nächste Schritt sein, sollten verstärkte Kontrollen allein nicht genügen.