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Behörden-Software: Versagen programmiert

Der Autor ist Redakteur in der Lokalredation beim Abendblatt

Der Autor ist Redakteur in der Lokalredation beim Abendblatt

Foto: Birgit Schücking

"KoPers" wird die Steuerzahler viel kosten. Dass Hamburg Geld aus dem „Innovationsfonds Digitale Stadt“ benutzt, klingt wie Hohn.

Das Computerprogramm KoPers sollte die ganz große Nummer werden. Zwei Bundesländer planen eine gemeinsame Personalverwaltung mit einer maßgeschneiderten und superschnellen Software, und das alles spart auch noch Geld: Wer hier von einem norddeutschen Leuchtturm sprach, neigte der nicht schon zur Untertreibung?

14 Jahre später ist KoPers zum Syn­onym für „KoVers“ geworden – für kollektives Versagen. Die Bremer, die sich rechtzeitig verabschiedet haben, sehen aus der Ferne gelassen zu, wie Hamburg und Schleswig-Holstein Nachschlag um Nachschlag bewilligen müssen. Mindestens 200 Millionen wird der Spaß am Ende kosten. Dass Hamburg dazu Geld aus dem „Innovationsfonds Digitale Stadt“ benutzt, klingt wie Hohn.

Wie die Software zur Datenkrake wurde

Es ist gar nicht so schwierig, den Ursachen dieser Software-Pleite auf den Grund zu gehen. Denn natürlich freunden sich Behörden nicht gern mit Programmen an, die ursprünglich für andere geschrieben worden sind – also etwa mit einer SAP-Software, die damals auch zur Verfügung gestanden hätte, aber für Firmen erdacht worden war. Doch damit die Ämter bei ihren vertrauten Arbeitsabläufen bleiben konnten, musste etwas Eigenes her.

Es ist ein Datenkrake geworden. Ständig muss er gefüttert werden, jeder Absturz legt – das hat man nun von der Zentralisierung – nicht nur die Bezügeberechnung lahm, sondern auch die anderen Programmbestandteile, die funktionieren: Krankheitstage, Urlaub, Umzugskosten. Alles muss warten.

An der KoPers-Pleite lässt sich nun nicht mehr viel ändern. Zu viel ist schon investiert worden, ein „Zurück“ würde alles nur noch teurer machen. Das ist die bittere Folge eines schlimmen Versagens.