Meinung
Zwischenruf

Warum Weihnachtskränze ein Herz aus Stroh haben müssen

Mein Mann hat ein Lebensmotto: „Happy wife, happy life“. Damit fährt er sehr gut. Ich kann das nur bestätigen. Er tut mir auch gern mal einen Gefallen, wenn ich ihn darum bitte. So etwa, als ich vor dem 1. Advent verreist war und den obligatorischen Kranz nicht selbst besorgen konnte. Der hängt bei uns traditionell an der Treppe, und es gibt deshalb eine Maßgabe: Es darf keine Strohunterseite sichtbar sein. Auf gar keinen Fall!

Mein Mann ging also mit dem Auftrag los, einen durchgebundenen Nordmanntannen-Kranz zu kaufen. Zwei Blumenläden schickten ihn unverrichteter Dinge wieder weg. Es gab zwar Kränze in allen Größen, aber alle hatten ein Innenleben aus Stroh. Anders gebe es die auch nicht, versicherten beide Verkäufer.

Alles Ignoranten, dachte mein Liebster, kannte er doch die klare Vorgabe seiner Frau – kein Stroh! Auch in der Grünabteilung des Baumarkts wurde mein Mann nicht fündig. Daraufhin schrieb er mir eine verzweifelte Whats-App und klagte seine Not. Ich blieb strikt: kein Stroh! Beim Friedhofsgärtner schließlich gab er auf, als ihm dort ein weiteres Mal erklärt wurde, die Statik würde das Strohinnenleben unbedingt erforderlich machen. Er gab klein bei und kaufte in seiner Verzweiflung (und wie ich annehme, mit zunehmender Gereiztheit) den Kranz.

Und hätte er mir nichts davon erzählt, dann wüsste ich bis heute nicht, dass der Kranz kein reiner Nordmann ist, sondern ein Herz aus blondem Stroh hat. Denn er sieht wunderbar aus und zeigt kein bisschen von seinem Strohkern. Mein Motto für die kommenden gemeinsamen Jahre: „Elisabeth, stell dich nicht immer so an.“