Meinung
Kommentar

St. Paulis Genossen – ein cleveres Stück Sozialismus

Der Zweitligaclub will seinen Fans Anteile am Millerntor-Stadion verkaufen. Wie und ob das Genossenschaftsmodell funktionieren kann.

Den HSV-Mitgliedern klingen die Versprechungen rund um die Ausgliederung 2014 noch in den Ohren: Mit dem Verkauf von Clubanteilen sollte der Verein finanziell auf gesunde Beine gestellt und ein neuer Angriff auf den Europacup gestartet werden. Das Ergebnis ist bekannt: Trotz des Verkaufs von knapp 24 Prozent der Anteile spielen die Hamburger in Liga zwei, der hohe Schuldenstand zwingt die Verantwortlichen zu harten Sparmaßnahmen.

Möglichst viel Geld einzusammeln, um im gnadenlosen Wettbewerb Profifußball bestehen zu können, stimmt als These dennoch – der HSV hat die Mittel damals nur falsch eingesetzt. Insofern wundert es nicht, dass auch der FC St. Pauli nach kreativen Wegen sucht, die finanzielle Lage zu verbessern, ohne dabei die eigenen Werte zu verraten.

Ein Genossenschaftsmodell hat durchaus Charme – theoretisch

Ein Genossenschaftsmodell mit einer Beteiligung an der Stadionbetriebsgesellschaft hat in der Theorie durchaus Charme. St. Pauli verkauft einen Teil seines Stadions an die Menschen, die es nutzen – die Fans. Ein cleveres Stück Sozialismus im kapitalistischen Fußball. Ein kluger Schachzug ist es auch, den St. Paulianern nicht ein fertiges Konstrukt vorzusetzen, sondern in eine offene Diskussion zu gehen, ob die Genossenschaftsvariante überhaupt erwünscht ist.

Ein Selbstgänger wäre der Verkauf der Genossenschaftsanteile dennoch nicht, auch wenn schon die St.-Pauli-Anleihe ein großer Erfolg war. Erstens muss es gelingen, die Anhänger emotional davon zu überzeugen, dass hier nicht ein Stück des wertvollsten Guts des Vereins – das Millerntor-Stadion – verkauft wird, sondern eine Gemeinschaft für mehr als eine Generation entsteht. Und zweitens muss genau geregelt sein, was mit den Mitteln passieren soll, zum Beispiel der vorzeitige Abtrag des Stadionkredits oder ein Ausbau.