Meinung
Kommentar

FC St. Pauli – ein Vorbild an Solidität

Der Autor ist St.-Pauli-Reporter beim Abendblatt.

Der Autor ist St.-Pauli-Reporter beim Abendblatt.

Foto: Klaus Bodig / HA

Der FC St. Pauli widersteht gefährlichen Verlockungen.

Die Gegensätze könnten größer kaum sein. Sieben Geschäftsjahre in Folge hat der FC St. Pauli einen Gewinn erwirtschaftet, zuletzt von immerhin rund 400.000 Euro, wie der Club auf seiner Mitgliederversammlung jetzt bestätigte. In genau diesen sieben Jahren hat der HSV durchweg Verluste eingefahren, zum Teil in zweistelliger Millionenhöhe.

Natürlich war der Club aus dem bekanntesten Hamburger Stadtteil längst nicht immer solch ein Vorbild an Solidität und wirtschaftlicher Vernunft, sondern stand noch vor gut 15 Jahren mehrmals am Rande der Insolvenz. Doch alle, die seither den Verein führen, haben die Lehren aus der damaligen Situation verinnerlicht.

Dabei steht über allem der feste Wille zu beweisen, dass man auch als mitgliedergeführter Verein ohne den Einfluss externer Investoren dauerhaft im Profifußball bestehen kann. Es wird kein leichtes Unterfangen sein, auch künftig den gefährlichen Verlockungen zu widerstehen und gleichzeitig konkurrenzfähig zu bleiben. Mit vollem Recht weisen Präsident Oke Göttlich und Aufsichtsratschefin Sandra Schwedler darauf hin, dass St. Paulis Existenz als mitgliedergeführter Verein im Profifußball gefährdet ist, wenn die 50+1-Regel fällt, die bisher verhindert, dass sich Investoren die Mehrheit und Macht in einem Verein erkaufen können. Selbst deutlich kleinere Clubs könnten dann, mithilfe eines nur an kurzfristiger Rendite interessierten Mehrheitsinvestors, leicht an St. Pauli vorbeiziehen.

Zuletzt hat der FC St. Pauli mehr in Infrastruktur, Nachwuchs und seine Unabhängigkeit – Stichwort Eigenvermarktung – investiert als in kurzfristige Verstärkungen des Profiteams. Dies ist sicher weitsichtig und vernünftig. Ob es aber nachhaltig Früchte tragen wird, kann niemand seriös beantworten.