Meinung
Kommentar

Kluge Konkurrenz für die Kammerrebellen

Die Plenumswahl 2020 könnte nun spannend werden.

Bei den vergangenen Wahlen zum Plenum der Handelskammer waren sie die Jäger, beim nächsten Urnengang 2020 werden die sogenannten Rebellen mit dem amtierenden Präses Tobias Bergmann die Gejagten sein. Denn am Donnerstag haben rund 50 Unternehmen aus der Stadt der aktuellen Kammerführung den Kampf angesagt. „Wir sind in Sorge um die Zukunft der Hamburger Wirtschaft“, schreiben die Herausforderer in ihrer ersten Pressemitteilung. Ihr Ziel: „Eine moderne, starke Handelskammer als Taktgeber für den Standort und die Stadt.“ Noch klingen diese Sätze wenig konkret. Doch schaut man auf die Firmen, die hinter der Initiative „Starke Wirtschaft Hamburg“ stehen (Haspa, Helm AG, Jungheinrich, F. Laeisz), so darf man davon ausgehen, dass es sich um mehr als Zählkandidaten bei der Plenumswahl 2020 handelt.

Der Zeitpunkt für die Gründung des Bündnisses ist klug gewählt. Denn die Rebellen von einst geben aktuell nach außen keine gute Figur ab. Der Vizepräses tritt aus dem Wahlbündnis aus, die selbst ausgesuchte Hauptgeschäftsführerin wird von Teilen der Rebellen öffentlich demontiert, der Präses übersteht ein Misstrauensvotum aus den eigenen Reihen nur knapp. Man gewinnt den Eindruck: Die Rebellen sind mehr mit sich selbst beschäftigt, als sich um Inhalte zu kümmern. Dazu kommt: Ihr zentrales Wahlversprechen, die Pflichtbeiträge abzuschaffen, haben sie längst aufgegeben. Also was ist geblieben von der vor knapp zwei Jahren angekündigten Kammer-Revolution?

Diese Frage werden Bergmann und seine Mitstreiter spätestens im Wahlkampf Ende 2019 beantworten müssen. Und ihre Herausforderer müssen bis dahin konkrete alternative Inhalte benennen. Danach haben die Unternehmen das Wort. Es lebe die Demokratie! Die Revolution war gestern.