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Kommentar

Debatte um Fahrradhelme: Kein Zwang, aber Verstand

Der Autor ist Redakteur der Lokalredaktion des Abendblatts.

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Foto: Klaus Bodig / HA / Klaus Bodig

Die Helmpflicht für Radfahrer wäre kontraproduktiv. Stattdessen sollte man auf Einsicht und Abwägung jedes Einzelnen bauen.

Natürlich kann man es aus der ganz sicheren Perspektive sehen: Der Fahrradhelm verhindert zwar keine Unfälle, aber ist er doch ein Faktor, kann Leben retten. Und dann sollen auch bitteschön alle Radfahrer ein Exemplar tragen müssen. Nur wäre eine Pflicht in der Praxis genauso überzogen und kontraproduktiv wie die Argumentation des ADFC, die eine Helmpflicht entschieden ablehnt.

Sollte für Fahrradfahrer eine Helmpflicht eingeführt werden?

Dafür reicht ein Blick auf alltägliche Gründe, warum so viele auf den Helm verzichten: Man muss ihn ständig mit sich tragen, er ruiniert die Frisur und taugt nicht gerade, sich selbst als Stil-ikone zu inszenieren. Banale Gründe, gewiss. Aber welche Folgen eine Helmpflicht haben kann, war in Australien zu besichtigen: Dort nahm der Radverkehr in der Folge in Großstädten um bis zu 40 Prozent ab. Das konterkariert jede moderne Verkehrspolitik und schadet der Gesundheit der Bevölkerung, indem es die Vorteile des Radfahrens nimmt.

Nicht am Ruf des Fahrradhelms sägen!

Eine gesunde Abwägung jedes Einzelnen ist dagegen Trumpf. Wer lange und schnell auf den wuseligen Abschnitten in der Stadt unterwegs ist, sollte sich zu einem Helm durchringen können. In jedem Fall gilt es, nicht weiter am Ruf des Fahrradhelms zu sägen, wie es nun der ADFC in Ansätzen unternimmt.

Bei Kindern liegen die Dinge dagegen deutlich anders: Hier ist eine Helmpflicht überfällig – bis sie etwa mit zwölf oder 13 Jahren in der Lage sind, die Gefahren vernünftig abzuschätzen. Es würde auch den Eltern helfen, sich in langen familiären Diskussionen um das uncoole Accessoire durchzusetzen.

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