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Kommentar

Ausraster gegen Referee: Williams hat überzogen

Serena Williams rastet im US-Open-Finale aus

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Serena Williams ist eine Lichtgestalt. Doch diesmal ist sie zu weit gegangen. Der Schiedsrichter handelte regelkonform.

Dass sie eine Frau großen Sportsgeists ist, das bewies Serena Williams am Sonnabend erst, als es zu spät war. Als der erste Grand-Slam-Triumph einer japanischen Tennisspielerin in einem Orkan von Pfiffen und Buhrufen unterging, den die US-Amerikanerin mit ihrem ungebührlichen Verhalten heraufbeschworen hatte, da besann sich die 36-Jährige, dass Naomi Osaka für all das Chaos am wenigsten konnte. Und so bat sie das tobende Publikum fair und versöhnlich, der neuen US-Open-Siegerin zu applaudieren.

Sie ist eine Lichtgestalt, diese Serena Williams, daran gibt es keinen Zweifel. Ein Rollenmodell für so viele gesellschaftliche Gruppen, deren Kämpfe sie stellvertretend austrägt: Für die schwarze Bevölkerung der USA, die so oft Repressalien ausgesetzt ist; für Frauen, die weltweit nicht die Gleichberechtigung erfahren, die sie verdienen; und für Mütter, die hart arbeiten, um im Job voranzukommen – und sich schuldig fühlen, weil sie fürchten, ihre Kinder deshalb zu vernachlässigen. All diese Kämpfe führt Serena Williams mit einer Penetranz, die bisweilen schmerzt, aber notwendig ist.

Williams sollte sich entschuldigen

Am Sonnabend jedoch hat sie, und das nicht zum ersten Mal, überzogen. Schiedsrichter Carlos Ramos handelte regelkonform, als er sie zunächst verwarnte, ihr dann einen Punkt und schließlich ein Spiel abzog. Frust darüber, dass Osaka das Match sportlich völlig verdient gewann und Williams damit den Grand-Slam-Rekord (24 Siege) verwehrte, ist noch verständlich. Mit genug Abstand zum Match trotzdem die Sexismuskeule zu schwingen dagegen nicht.

Die Entschuldigung, die sie vom Schiedsrichter forderte, schuldet Williams dem Referee, ihrer Kontrahentin – und der gesamten Sportwelt.

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