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E-Mails zwischen Hamburg und Berlin

Lars Haider (l.) ist Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, Christoph Schwennicke ist Chefredakteur des Magazins "Cicero"

Lars Haider (l.) ist Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, Christoph Schwennicke ist Chefredakteur des Magazins "Cicero"

Foto: Laible/Cicero

Ein E-Mail-Wechsel von Abendblatt und „Cicero“.

Christoph Schwennicke, Chefredakteur des in Berlin produzierten Magazins „Cicero“, und Lars Haider, Chefredakteur des Abendblatts, pflegen eine E-Mail-Freundschaft, die wir jeden Sonnabend veröffentlichen.

Haider: Lieber Christoph, endlich ist unsere furchtbare Sommerschreibpause vorbei. Was sind die Themen, die das politische Berlin heute bewegen?

Schwennicke: Ah, endlich wieder Post von meinem Lars, das erquickt und belebt. Also, auf geht’s, lass uns streiten! Dass die Nahles dem Erdogan jetzt Geld geben will, weil der Trump den Erdogan gerade wirtschaftlich austrocknen will – wie findest Du das?

Haider: Das finde ich schon deshalb gut, weil sie es bei uns gesagt hat. Ich könnte mir vorstellen, dass die wirtschaftliche Situation der Türkei eine Chance ist, das deutsch-türkische Verhältnis zu verbessern. Und das scheint mir sehr wichtig.

Schwennicke: Mir auch. Vor 20 Jahren und ohne Erdogan. Aber jetzt? Bei dem Mann und der Entwicklung weg vom Westen und Europa? Das ist doch ein völlig aussichtsloses Unterfangen. Viel wünschenswerter wäre, dass die Folgen seines Größenwahns offenkundig werden, sich mit den USA anzulegen.

Haider: Und wenn die Türkei in einem wirtschaftlichen Desaster versinkt, das am Ende schwer zu berechnende Auswirkungen auf Europa hätte? Das wünsche ich mir nicht ... Was noch?

Schwennicke: Wie geht die Wahl in Bayern aus? Und die in Hessen? Und was sagst Du dazu, dass Merkel und Kramp-Karrenbauer den diversen Kreisen (Werteunion, Mitte) in der CDU den offiziellen Parteisegen versagt haben?

Haider: Ich weiß nicht, wie die Wahlen ausgehen. Ich glaub aber, dass es hier wie dort zu Zweierbündnissen nicht reichen könnte. Oder?

Schwennicke: In Bayern könnte es für die CSU reichen mit den Freien Wählern zusammen. In Hessen nicht. Ich sehe da die Drei vorne wackeln bei der CDU. Bleibt noch offen: Deine Meinung über die verbotene Flügelei in der CDU.

Haider: Ach, wenn die keine anderen Probleme haben ...

Schwennicke: Haben Sie aber. Stehen bei 28 Prozent bundesweit. Es gibt einen Zusammenhang zwischen dem Flügelverbot und dem Tiefststand. Die Leute der Werteunion werden zu Parias erklärt.