Meinung
Kommentar

Ein Hilfeschrei für Schreibabys

Angebot für betroffene Eltern muss aufrechterhalten und finanziell abgesichert werden.

Vor der Geburt blicken werdende Eltern meist optimistisch in die Zukunft. Es wird anstrengend und eine große Umstellung, das ist ihnen bewusst, aber sie denken, sie werden das Kind schon schaukeln. Wenn sie dann aber ein schreiendes Bündel in den Armen halten, das sich einfach nicht mehr beruhigen lassen will, sind viele mit den Nerven schnell am Ende. Wie gut, wenn es dann Experten gibt wie jene in der SchreiBabyAmbulanz, die den verzweifelten jungen Müttern und Vätern in dieser Situation helfen.

Doch Ende des Monats wird diese Einrichtung, die sich seit zehn Jahren aus Spenden finanziert und pro Jahr etwa 100 Familien in Hamburg behutsam durch die schwierige Zeit begleitet, geschlossen. Die Ambulanz hatte die Stadt um Hilfe gebeten, weil die Spenden die Kosten nicht mehr decken, doch beide Seiten wurden sich über die Finanzierung nicht einig. Hamburg sucht deshalb nach einem Träger, der Schreibabys preisgünstiger behandelt. Ob es klug ist, die erfahrenen Experten durch ein neues Team, das sich erst einarbeiten muss, zu ersetzen? Wohl kaum.

Überhaupt stellt sich ernsthaft die Frage, wieso ein derart wichtiges Angebot der frühen Hilfen nicht schon längst auf sicheren finanziellen Beinen steht. Zumal immer weniger Mütter von Neugeborenen Unterstützung in ihrer neuen Lebenssituation bekommen. Laut einem aktuellen AOK-Report werden in Hamburg nur noch 46,5 Prozent im Wochenbett von einer Hebamme betreut. Besonders augenfällig ist dabei der Zusammenhang mit der sozialen Lage junger Mütter. Nur 33 Prozent der Hartz-IV-Empfängerinnen werden demnach nach der Geburt zu Hause von einer Hebamme aufgesucht, aber 65 Prozent der berufstätigen Frauen. Wer Kinder hat, weiß, dass der Start in das Leben als Familie manchmal etwas holprig ist. Eltern von Schreibabys brauchen erst recht jede denkbare Unterstützung.