Meinung
Kommentar

Für Landwirte ist das Wetter Berufsrisiko

Der Autor ist Politik-Korrespondent in der Zentralredaktion der FunkeMedien Gruppe

Der Autor ist Politik-Korrespondent in der Zentralredaktion der FunkeMedien Gruppe

Foto: Amin Akhtar

Mit ihrem Ruf nach Steuergeld führen die Bauern die falsche Debatte. Auf Dauer löst Geld keine strukturellen Probleme.

Für den Bauernverband ist klar: Hitze und Trockenheit haben den
Landwirten Schaden bereitet, die Politik muss ihnen deshalb einen Teil des Ernteausfalls ersetzen. Mehr noch: Die Bauern sollten künftig nicht mehr den gesamten Gewinn versteuern, um eine Rücklage bilden zu können. Für einen Agrarfunktionär mögen die Forderungen selbstverständlich sein. Der Normalbürger schnappt da nach Luft und fragt: Geht’s noch?

Sicher: Dieser Sommer ist ungewöhnlich heiß und trocken. Aber warum muss jetzt der Steuerzahler für das Berufsrisiko eines Landwirts haften? Jeder Unternehmer muss Vorsorge gegen Risiken treffen. Wer wegen einer schlechten Ernte in die Pleite schlittert, hat nicht gut gewirtschaftet. Da dürfte es den Bauern so gehen wie Gastronomen, Einzelhändlern und allen anderen, die sich verkalkuliert haben. Dass staatliche Hilfe für strauchelnde Betriebe selten etwas bringt, ist erwiesen. Auf Dauer löst Geld keine strukturellen Probleme.

Richtig ist, dass die Ernte stark vom Wetter abhängt. In der Bauwirtschaft ist das ganz ähnlich. Dort werden Entlassungen im Winter wirksam durch das Saison-Kurzarbeitergeld verhindert. Finanziert wird es von der Arbeitslosenversicherung und von der Bauwirtschaft. Die Bauern müssen sich fragen lassen, warum sie nicht längst einen ähnlichen Mechanismus entwickelt haben. Die Idee der „Risikoausgleichsrücklage“, mit der ihre Funktionäre jetzt durch die Lande ziehen, ist ein alter Hut, zu kompliziert und ungeeignet. Einfach nur nach Steuergeld zu rufen, das ist wirklich zu billig.

Das Wetter wird immer extremer, es muss also etwas getan werden. Um unsere Ernährung zu sichern, die Natur und das Klima zu schützen und gleichzeitig Agrarfabriken und Monokulturen zu verhindern, sind aber intelligentere Lösungen gefragt. Viele Landwirte denken darüber nach. Warum aber finden sie noch kein Gehör?