Meinung
Leitartikel

Mega Wochenende in Hamburg – das ist zu viel

Der Autor ist Chefredakteur des Hamburger Abendblatts

Der Autor ist Chefredakteur des Hamburger Abendblatts

Foto: Andreas Laible / HA

Warum schafft Hamburg es nicht, Großveranstaltungen mit Hunderttausenden Besuchern zu entzerren?

Mindestens einmal pro Jahr wird in Hamburg ein seltsames Spiel gespielt. Dazu benötigt man: ein Wochenende im Sommer, gern im Juli, zwei oder drei richtig große Veranstaltungen mit Hunderttausenden Besuchern und unzählige Straßen, die gesperrt werden müssen.

Fertig ist das „In Hamburg geht nicht mehr viel“-Spiel, an dessen Ende der Beginn der „Muss das denn wirklich alles an einem Wochenende sein“-Diskussion steht. Die wiederum damit schließt, dass alle Beteiligten und Verantwortlichen versprechen, dieses Spiel künftig nicht mehr mitzuspielen. Die großen Termine müssten nun wirklich entzerrt werden, heißt es dann, Hamburg habe sowieso genug davon, und überhaupt dürfe nicht immer alles in der City sein. Bis zum nächsten Jahr, wenn das ganze Spiel natürlich wieder von vorn losgeht.

Wahrscheinlich wird sich daran auch durch diese Zeilen nichts ändern. Und doch führt kein Weg daran vorbei, darauf hinzuweisen, dass es nicht besonders klug ist, wenn Hamburg an einem einzigen Wochenende Schauplatz eines Triathlons, des Schlager­moves und zweier Stadion-Konzerte von Helene Fischer ist. Nach all dem Frust, der sich in den vergangenen Jahren bei nicht wenigen Hamburgern wegen unterschiedlicher Massen-Events aufgestaut hat, muss die erneute Termindichte wie eine Provokation wirken.

Nächstes Jahr muss das besser werden

Das haben weder die Stadt noch ihre Bürger und schon gar nicht die jeweiligen Organisatoren verdient. Denn natürlich hätten sowohl die Triathleten als auch die Schlagerfans und selbst Superstar Helene Fischer mehr Aufmerksamkeit, medial wie allgemein, wenn sie nicht mit den jeweils anderen – und darüber hinaus noch mit dem Finale der Fußball-Weltmeisterschaft zwischen Frankreich und Kroatien – konkurrieren müssten. Und auch Hamburg hätte mehr davon, wenn zwischen diesen einzelnen Höhepunkten jeweils fünf Werktage liegen würden. Mindestens.

Warum ist das nicht möglich? Warum werden solche Termine nicht endlich besser aufeinander abgestimmt? Dass diese Frage überhaupt nach den Debatten in den vergangenen Jahren erneut gestellt werden muss, ist ärgerlich. Es scheint, als nehme die Stadt die Anmerkungen ihrer Bürger zu diesem Thema nicht wirklich ernst. Was ein Fehler ist, weil Hamburg natürlich die Akzeptanz seiner Bürger braucht, wenn es um Großveranstaltungen, um Touristenströme und die Entwicklung des Standortes insgesamt geht.

Nicht wenige Einwohner sehen den Charakter der Stadt dadurch und durch das rasante Wachstum an anderen Stellen in Gefahr. Sie fühlen sich in ihren Fragen und Sorgen nicht mitgenommen. Das ist nicht gut, weil Ereignisse wie der Triathlon oder der Schlagermove oder Helene-Fischer-Konzerte sich wirtschaftlich für Hamburg natürlich auszahlen, Arbeitsplätze erhalten oder sogar schaffen. Nur täten sie das auch, wenn es sie an unterschiedlichen Wochenenden geben würde. Und wenn nicht, wie jetzt, zu viel auf einmal passiert, was sowohl die Geduld der Hamburger als auch die Einsatzbereitschaft von Sicherheitskräften an die Grenzen bringt.

Also: Nächstes Jahr muss das besser werden. Wobei es nicht reicht, Termine zu entzerren. Hamburg wird sich auch viel stärker als bisher fragen müssen, welche Großveranstaltungen zu ihm passen und welche nicht. Da ist in der Vergangenheit viel ausprobiert, da sind gute und schlechte Erfahrungen (G 20) gesammelt worden. Nun gilt es, daraus endlich auch einmal Schlüsse zu ziehen. Gern, nein: unbedingt unter Einbeziehung der Hamburger.