Meinung
Leitartikel

Der Atom-Poker ist Trumps Erfolg

Jörg Quoos

Foto: BM

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Bei aller angemessenen Skepsis: Das Treffen von Trump mit dem nordkoreanischen Machthaber macht Hoffnung. Aber der Weg ist noch lang.

Seit Donald Trump 45. Präsident der USA ist, fährt die Weltpolitik Achterbahn wie ein Rollercoaster im US-Vergnügungspark. Bergauf, bergab, mit dramatischen Richtungswechseln. Und nach jeder Fahrt ist man durchgeschüttelt und froh, wenn man den Ritt unbeschadet überstanden hat.

Die jüngste Talfahrt beim Chaos-Gipfel der G7 hat die Welt gerade hinter sich, da überrascht Donald Trump ganz oben mit einem echten politischen Scoop.

Positive Botschaft – trotz Kritik

Nach einer Phase gegenseitiger Vernichtungsdrohung, hart an der Grenze zu einem nuklearen Konflikt, gibt es die Gipfel-Einigung mit einem der gefährlichsten Diktatoren der Welt. Man kann das Ergebnis von Singapur zu Recht skeptisch betrachten. Trotzdem sendet es eine positive Botschaft an den Rest der Welt und macht Hoffnung.

Donald Trump und Kim Jong-un sind offenbar entschlossen, einen alten Konflikt zu beenden und haben es immerhin geschafft, direkt miteinander zu verhandeln . Gemessen an den Egos der beiden war das keine einfache Übung.

Gipfelergebnis muss nun echte Politik werden

Aber vielleicht konnte dieser skurrile Polit-Poker nach dem Motto „alles oder nichts“ auch nur zwei Kontrahenten gelingen, die volles Risiko gehen und für sich längst eigene Spielregeln aufgestellt haben. Dass der Gipfel nicht der hohen diplomatischen Schule entsprach – geschenkt. Diese hat im Falle Nordkoreas bereits über Jahrzehnte versagt.

Treffen zwischen Trump und Kim: Die besten Zitate

Historisches Gipfeltreffen: US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un trafen sich am 12. Juni 2018 in Singapur.
Treffen zwischen Trump und Kim: Die besten Zitate

Entscheidend ist, dass die Auseinandersetzung das Niveau von Drohungen und echten Atomversuchen verlassen hat. Jetzt muss Trumps Regierung beweisen, dass sie in der Lage ist, das ermunternde Gipfelergebnis in nachhaltige Politik umzuwandeln.

Wenn Nordkorea sein Atom-Arsenal tatsächlich abbaut, ist die Welt ein Stück sicherer geworden. Bis dahin ist noch ein langer Weg und übertriebener Jubel nach dem telegenen Showdown nicht angebracht.

Es wäre aber auch falsch, dem US-Präsidenten diesen ersten außenpolitischen Erfolg seiner eineinhalbjährigen Amtszeit abzusprechen. Niemand hat in Nordkorea bis jetzt mehr erreicht als Trump. Für dieses Eingeständnis sollten sich auch eingefleischte Trump-Kritiker nicht zu schade sein.

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