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E-Mails zwischen Hamburg und Berlin

Lars Haider (l.) ist Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, Christoph Schwennicke ist Chefredakteur des Magazins "Cicero"

Lars Haider (l.) ist Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, Christoph Schwennicke ist Chefredakteur des Magazins "Cicero"

Foto: Laible/Cicero

Ein E-Mail-Wechsel von Abendblatt und „Cicero“.

Christoph Schwennicke (r.), Chefredakteur des in Berlin produzierten Magazins „Cicero“, und Lars Haider, Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, pflegen eine E-Mail-Freundschaft, die wir jeden Sonnabend an dieser Stelle veröffentlichen.

Haider: Lieber Christoph, der Horst Seehofer kann einem ja fast leidtun. Dass ausgerechnet seine Behörde für den Asylskandal zuständig ist und er jetzt den Krisenmanager machen muss – das kann man sich gar nicht ausdenken. Bitter ist dennoch, was da in Bremen passiert ist.

Schwennicke: Erstens: Es ist auch eine Chance für ihn. Zweitens: Ich glaube keinen Moment, dass Bremen nur in Bremen stattfindet. Drittens: Es geht nicht nur um Behördenversagen, sondern mehr noch um politische Verantwortung. Die liegt im entscheidenden Zeitraum nicht zuerst bei Seehofer.

Haider: Deshalb muss es ihn doch ärgern wie kaum etwas anderes. Oder fühlt er sich in seiner Einstellung erst recht bestätigt?

Schwennicke: Natürlich. Es erweist sich an Bremen vielleicht nicht die Herrschaft des Unrechts, wie er mal formuliert hat. Aber die partielle Abwesenheit des Rechtsstaats und seiner Ordnung eben schon.

Haider: Wie macht sich die neue Regierung sonst so? Ist ja ruhiger geworden, oder kommt mir das im heißen Hamburg nur so vor?

Schwennicke: Sie ist bis auf den Außenminister wenig verhaltensauffällig. Selbst von der Chefin sieht und hört man nicht viel. Als sei nichts los auf der Welt.

Haider: Ist das ein gutes oder ein schlechtes Zeichen?

Schwennicke: Mir ist das zu wenig. Ich kann keinen richtigen Gestaltungswillen ausmachen. Du?

Haider: Geht mir ähnlich wie Dir. Vielleicht ist Regieren in Zeiten wie diesen aber auch zu einfach. In Hamburg wird der Senat bald Einnahmen von mehr als 13 Milliarden Euro zur Verfügung haben. 2011 waren es noch weniger als neun …

Schwennicke: Na ja, jenseits dessen, den Geldsegen einfach entgegenzunehmen, würde ich mich an einer über diese Bedingungen genutzten Beinfreiheit für eine Politik mit ambitionierten Zielen nicht stören.