Meinung
Leitartikel

Für Kunst und Kultur: Seid umschlungen, Millionen

Der Autor ist stellvertretender Leiter des Kulturressorts beim Hamburger Abendblatt

Der Autor ist stellvertretender Leiter des Kulturressorts beim Hamburger Abendblatt

Foto: Michael Rauhe

Das Sanierungsprogramm für Hamburgs Kultureinrichtungen ist eine große Chance.

„Hier gilt’s der Kunst“, heißt es in Richard Wagners „Meistersingern von Nürnberg“, und dieser Satz gilt demnächst auch mehr denn je für Hamburgs öffentliche Kultureinrichtungen. Mit der Senatsentscheidung, der städtischen Sprinkenhof GmbH die Verantwortung für Sanierung und Instandhaltung von Häusern wie der Staatsoper, dem Deutschen Schauspielhaus, der Laeiszhalle, der Fabrik oder der Kunsthalle zu übergeben, dürfte wohl eintreten, was sich nicht nur Kultursenator Carsten Brosda (SPD) dringend wünscht, wenn er sagt: „Die Kultur­institutionen können sich dann auf ihre eigentlichen Aufgaben konzentrieren: Kunst und Kultur.“

Viel zu lange schon hat nämlich das Kerngeschäft der Theater, Museen und anderen städtischen Kulturorte darunter gelitten, dass reichlich Energie darein floss, sich etwa mit maroden Bausubstanzen und veralteten Bühnenmaschinen auseinanderzusetzen. Damit, lange Bedarfsanalysen zu erstellen, Anträge zu schreiben und sich immer aufs Neue mit Finanzierungs-fragen auseinanderzusetzen. Künftig soll die Sprinkenhof GmbH diese Aufgaben übernehmen und zugleich an die Stelle vieler unterschiedlicher Besitzer der Kulturimmobilien treten. Das Modell hat sich schon im Schulbereich bewährt und ist auch in diesem Fall sinnvoll, weil organisatorische Abläufe deutlich verkürzt werden dürften. Zudem wird nicht länger, wie Carsten Brosda es so treffend nannte, immer wieder ein „Zirkel der schlechten Laune“ in Gang gesetzt. Bisher stellten die Kulturinstitutionen nämlich in ihren Häusern einen Handlungsbedarf fest und wandten sich an die Kulturbehörde, die wiederum mangels finanzieller Mittel die Finanzbehörde ins Boot holte. Partystimmung kam da eher selten auf. Umstandslos Geld in die Hand nehmen, um Sanierungen voranzutreiben oder Schäden schnell zu beseitigen, konnte niemand. Das wird nun – so der Plan – anders.

300 Millionen Euro stehen für einen Zeitraum von 15 Jahren bereit, dringend benötigtes Geld, das direkt auf die Stellung Hamburgs als Kulturstadt einzahlt. Als Stadt, die durch die Elbphilharmonie international ganz neu in den Fokus gerückt ist und nun die Gunst der Stunde nutzen muss, um kräftig nachzulegen. Weltniveau, derzeit fast allabendlich im neuen Konzerthaus zu bestaunen, braucht Hamburgs Kultur auch an anderen Orten. Dies zu gewährleisten setzt eine funktionierende Infrastruktur voraus, in der sich Künstler und Kuratoren mit dem beschäftigen können, was ihre originäre Aufgabe ist: große Kunst in Hamburg erlebbar zu machen.

Bei aller Freude über die Senatsinitiative, von der 23 Kulturinstitutionen profitieren, ist es wichtig, den Blick nicht nur aufs große Ganze zu richten, sondern auch Detailfragen im Blick zu behalten. Wenn das Schauspielhaus auf eine „genaue Regelung der Zuständigkeiten und Reaktionszeiten des zukünftigen Vermieters“ drängt und die Staatsoper erklärt, entscheidend sei es, Service-Level für Wartungen und Reparaturen „im Detail zu vereinbaren, damit der künstlerische Betrieb nicht behindert wird“, dann schwingt da die Sorge mit, bestens bewährte Abläufe etwa bei der Beseitigung kleinerer Schäden könnten im Zuge dieser Neuordnung aufgegeben werden. Dass es dazu nicht kommt, ist eine der (kleineren) Aufgaben, vor der die Sprinkenhof GmbH jetzt steht. Ihre große, grundsätzliche Aufgabe, die Weichen für Hamburgs Kulturleben neu zu stellen, geht sie ja bereits schwungvoll an.