Meinung
Glosse

Der Samen kommt per Post

Der Autor ist Redakteur in der Lokalredaktion beim Abendblatt

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Macht die Hamburger Loki Schmidt Stiftung Amazon bald Konkurrenz?

Der reichste Mann der Welt ist Jeff Bezos, Gründer des Versandhändlers Amazon. Er soll über ein Gesamtvermögen von 112 Milliarden US-Dollar verfügen. Es gilt zwar als unwahrscheinlich, dass ihm die Hamburger Loki Schmidt Stiftung eines Tages nennenswerte Konkurrenz machen könnte. Aber der Samen ist gelegt.

Die Stiftung teilte jetzt nämlich mit, dass sie ab sofort auch etwas versenden werde, und zwar Samen des „Langblättrigen Ehrenpreises“. Bei der Zierstaude mit den blau-lila Blüten handelt es sich um eine seltene Art. Nun gut, sie kommt häufiger vor als der Schreck der Hafenwirtschaft, der Schierlings-Wasserfenchel. Aber schwindende Flussauen bereiten dem „Langblättrigen Ehrenpreis“ (Veronica maritima) zunehmend den Garaus. Um die Öffentlichkeit auf das Pflanzenschicksal hinzuweisen, wurde die bei Hummeln und der Rotbauchunke beliebte Zierstaude kürzlich von der Loki Schmidt Stiftung zur „Blume des Jahres 2018“ gekürt.

Diese Ehre erhielten nicht nur der „Ehrenpreis“, sondern in früheren Jahren auch die Moorlilie und das Leberblümchen. Bei der diesjährigen Premium-Pflanze können Interessenten – ein bisschen wie bei Amazon – online eine „Samenpostkarte“ zum Preis von drei Euro bestellen (blume@loki-schmidt-stiftung.de). Es steht zu erwarten, dass die Stiftung mit diesem Schnäppchen niemals reich wird. Die Hobbygärtner dürften jedenfalls beim Erhalt der Ware glücklich sein und die Samenkörner im Garten oder auf dem Balkon aussäen. „Spinne des Jahres 2018“ ist übrigens die gefräßige Fettspinne. Ein Online-Versand mit diesem Nachwuchs ist nicht bekannt.

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