Meinung
Kolumne

Frieda geht’s gut, aber Nelly wird vermisst

Matthias Schmoock mit seiner Labradoodle-Hündin Frieda

Foto: Klaus Bodig / HA

Matthias Schmoock mit seiner Labradoodle-Hündin Frieda Foto: Klaus Bodig / HA

Wenn Hunde plötzlich verschwinden, ist das für die Halter ein Drama – wie ein Fall aus Hamburg zeigt

Die Hunde-Suchplakate, die man oft an Parkbäumen oder den Masten von Straßenlampen sieht, habe ich früher nie beachtet. Jetzt lese ich sie immer gründlich. Man will ja die Augen offen halten, gegebenenfalls irgendwie helfen. Da ist auf einmal viel Mitgefühl mit den Haltern, wenn irgendwelche liebenswert aussehenden Hunde spurlos verschwunden sind und zu lesen ist, dass sie schmerzlich vermisst werden.

Durchdrehen würde ich, wenn meine Frieda plötzlich weg wäre. Im Grunde gibt es natürlich nur zwei Möglichkeiten: Entweder sind die Tiere ausgebüxt, oder sie wurden gestohlen. Hunde, die weglaufen, bleiben nicht ewig verschwunden. Entweder kommen sie von alleine zurück, oder nette Finder melden sich bei einem Tierheim oder der Polizei. In Hamburg müssen alle Hunde ab dem dritten Lebensmonat „gechipt“ sein, und man kann den jeweiligen Halter relativ leicht ermitteln.

Etwas anderes ist es, wenn ein Fremder einen Hund vorsätzlich behält, weil der ihm angeblich zugelaufen ist. Viele Hunde sind ja sehr zutraulich. Wer mit ihnen umgehen kann und über die nötige Skrupellosigkeit verfügt, kann sie innerhalb weniger Minuten weglocken. Eine Sauerei ist so etwas.

Wie ich auf dieses Thema komme?

In der vergangenen Woche meldete sich Leserin Carin C. aus Langenhorn und fragte, ob ich ihr irgendwie bei der Suche nach ihrem Jack Russell Terrier Nelly helfen könne. Viel kann ich nicht tun, aber ausnahmsweise mal den Fall schildern – das geht schon.

Nelly verschwand am 1. März bei Schneetreiben am Hummelsee in Hummelsbüttel. Sie ist vier Jahre und ein paar Monate alt und sehr zutraulich. Überall in der Umgebung des Sees hängen jetzt Plakate mit Nellys Foto. Sie ist registriert und müsste eigentlich schon längst abgegeben worden sein. Allerdings hat ein Zeuge gesehen, dass eine unbekannte Frau am See einen Hund ansprach – vielleicht Nelly. „In Trauer versunken“ sei die Familie in den ersten Tagen, erzählt mir Frau C. am Telefon. Dann startete sie eine große Suchaktion, an der sogar eine private Hundestaffel aus Schleswig-Holstein beteiligt wurde. Bislang gibt es trotz allem keine Spur von der süßen Hündin.

Ob Menschen Hunde vorsätzlich stehlen? Ein Polizist sagte mir mal, dass spontanes „Mitschnacken“ wohl viel häufiger vorkommt. Die Täter sehen einen hübschen, zutraulichen Hund und nehmen ihn einfach an sich. Es gilt als ziemlich sicher, dass Hunde sich ziemlich schnell an ein neues Herrchen oder Frauchen gewöhnen können. Wer aber wirklich lange unter der Trennung leidet, sind die rechtmäßigen Halter.

„Ist doch nur ein Hund“ – so einen Satz würde ich nie sagen.

Kann sein, dass wir es manchmal mit den Sorgen um unsere Frieda etwas übertreiben, so wie junge Eltern ja auch immer gleich denken, dass ihrem Baby ein Sonnenstich oder Eisfüße drohen. Als Frieda noch ein schmächtiger Welpe war, erzählte mir eine Spaziergängerin an der Elbe mal, der Babyhund ihrer Tochter sei von irgendeinem „großen Vogel“ geschnappt worden und auf Nimmerwiedersehen verschwunden. Seitdem hatte ich immer ein Auge auf die vielen Möwen in Wassernähe, die tatsächlich Interesse an dem kleinen Fellknäuel zu haben schienen. Ich kenne junge Hundehalter, die geradezu panisch nachgucken, ob im Gäste-WC der Klodeckel geschlossen ist, damit „er“ nicht ertrinken kann.

Wenn ich mal Brötchen hole, muss ich Frieda vor der Bäckerei meines Vertrauens immer anleinen – leider so, dass ich sie von drinnen nicht sehen kann. Wenn dann in der Schlange vor mir jemand eine Diskussion über Zusatzstoffe anfängt oder 26 verschiedene Brötchen möchte, werde ich gleich ganz unruhig. Denn Frieda ist nicht nur wunderhübsch, sondern auch ein vertrauensseliges Hundemädchen, das vermutlich mit jedem mitgehen würde. „Noch nie in ihrem Leben hat Nelly Schlimmes erlebt“, berichtete mir Frau C. Genau deshalb ist sie auch ganz arglos – so wie meine Frieda es im Ernstfall wäre.

Auf Frieda passe ich auch künftig lieber etwas zu sehr auf, da bin ich ganz uncool. Und Nelly und ihrer Menschenfamilie wünsche ich ein gutes Ende dieser Geschichte.

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