Meinung
Kommentar

Airlines endlich zur Kasse bitten

Der Autor ist Mitglied der Abendblatt-Chefredaktion

Foto: Michael Rauhe / HA

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Fluggesellschaften, die zu spät sind, gehören bestraft

Es geht um nicht mehr (und auch nicht weniger) als einen Interessenausgleich. Einen Interessenausgleich zwischen Ökonomie und Gesundheit. Auf der einen Seite: der Flughafen, die Firmen, die auf ihn angewiesen sind, die Stadt Hamburg und die Airlines. Auf der anderen: mehr als 200.000 lärmgeplagte Anwohner. Hier: geschätzt weit mehr als 10.000 Arbeitsplätze, die direkt und indirekt am Flugbetrieb in Fuhlsbüttel hängen, eine hohe Wirtschaftskraft und die Vernetzung in einer globalisierten Welt. Da: ruhestörender Lärm, der bisweilen krank macht. Ein kaum zu lösender Konflikt.

Über Jahre hinweg ging es nur nach oben. Mit den Destinationen, den Starts und Landungen, der Zahl der Fluggäste – und auch den verspäteten Maschinen in der Nacht. Wieder auf der einen Seite. Und der Zahl der Beschwerden auf der anderen. Mehr als 1000 verspätete Starts und Landungen waren es 2017, denen mehr als 100.000 Beschwerden gegenüberstehen. Selbst wenn man weiß, dass sehr viele der Beschwerden von einer ganz kleinen Zahl genervter Anwohner stammen und via Kettenbrief und Internet sich auch leicht viral verbreiten – die Zahl von 1000 verspäteten Flügen ist nicht so leicht wegzudisku­tieren. Drei unpünktliche Flüge Nacht für Nacht lassen sich nicht allein mit unglücklichen und unvorhersehbaren Umständen erklären.

Was soll man Kritikern erwidern, die dahinter ein System einiger Fluggesellschaften vermuten, um die Maschinen noch effizienter einzusetzen, die Kosten noch stärker zu drücken und sich zulasten der Anwohner einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz zu verschaffen? Deshalb ist es gut so, dass die bei der Umweltbehörde angesiedelte Lärmschutzbeauftragte jetzt beginnt, die Gewinne abzuschöpfen, die Billigflieger damit machen, wenn sie offensichtlich systematisch zu spät starten. Eine Frage bleibt am Ende aber noch: Warum passiert das erst jetzt?

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