Meinung
Offen gesagt

Bonn: Keine Ode, keine Freude

Joachim Mischke, Kulturredaktion

Joachim Mischke, Kulturredaktion

Wie die ehemalige Bundeshauptstadt mit Ludwig van Beethovens 250. Geburtstag umgeht.

Mit Ludwig van Beethovens Lebensdaten ist es wie mit Weihnachten: seit Langem bekannt. Eigentlich kann man nicht viel falsch machen – es sei denn, man macht alles falsch. In Bonn hat man genau das getan. Denn seit fast 250 Jahren konnte jeder in Bonn herausfinden oder nachrechnen, wann der 1770 in Bonn geborene Komponist wohl in etwa den 250. Geburtstag hätte: 2020. Nicht schon 2019, nicht erst 2022. 2020.

Doch genau das ist nun das Jahr, in dem das Jubiläum nicht in jener Halle gefeiert werden kann, die nach dem ­Jubilar benannt wurde. Denn die vermeintlichen Bau- und Sonst-wie-Experten im offenbar allzu verträumten Rheinstädtchen mussten einräumen: Die Sanierung der Beethovenhalle wird erst im Laufe des Jubiläumsjahres abgeschlossen, deswegen findet sie in den Fest-Planungen nicht mehr statt.

2015 hatte man die Idee eines Festspielhaus-Neubaus nach langem Hickhack fallen gelassen. Es kommt aber noch unschöner: Die Sanierungskosten stiegen von bislang 65 auf 78 Millionen Euro. In einer Sondersitzung, die sehr weit von einer Ode an die Freude entfernt war, hatte der Bonner Stadtrat einen Baustopp abgelehnt. Und noch gar nicht mitgerechnet in diesem Durch­einander ist die ebenfalls fällige Sanierung der Bonner Oper: noch mal 70 Millionen Euro. Mindestens.

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