Meinung
Kommentar

Afghanistan: Kriege beginnen, Kriege beenden

Abendblatt-Autor Miguel Sanches

Foto: Reto Klar

Abendblatt-Autor Miguel Sanches Foto: Reto Klar

Für den Bundeswehr-Einsatz fehlt eine Exit-Strategie. In Afghanistan gilt, was ein früherer deutscher Außenminister einst weise sagte.

Der Militäreinsatz in Afghanistan ist ein Fehlschlag. Fatal ist, dass sich die Bundesbürger, aber auch die meisten Volksvertreter im nunmehr 17. Jahr daran gewöhnt haben und die Sinnfrage kaum noch stellen: Was macht die Bundeswehr eigentlich am Hindukusch? Es fehlt ein Enddatum oder auch nur eine Exitstrategie. Kriege sind leicht zu beginnen und schwer zu beenden.

Die Bundesregierung macht sich im aktuellen Afghanistan-Bericht nicht mal die Mühe, das Mandat zu überhöhen oder eine überzeugende Begründung zu liefern. Die Bundeswehr soll ein weiteres Jahr im Land bleiben, weil andernfalls eine „Kettenreaktion mit unkalkulierbaren Konsequenzen“ drohe. Mit der Durchhalte-Logik kann man das Abenteuer viele Jahre lang rechtfertigen.

Die Taliban dominieren Afghanistan

Wenn etwas am Hindukusch grassiert, dann die Angst, wenn etwas floriert, dann der Drogenbau. Wenn etwas Bestand hat, dann die Dominanz der Taliban. Heute wäre man schon froh, wenn gelänge, wofür ein SPD-Chef vor ein paar Jahren eingetreten und ausgelacht worden ist: mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Die Lage ist verworrener denn je. Es mischen sich zwar mehr Staaten ein, zum Beispiel China oder Russland, aber es fehlen abgestimmte Ziele, eine gemeinsame Strategie.

2018 und 2019 stehen am Hindukusch Wahlen an. Die sollte man absichern. Aber mittelfristig muss man einen Abzug ins Auge fassen. Was ein deutscher Kanzler einst für Irak ausgeschlossen hat – für Abenteuer stehen wir nicht zur Verfügung –, ist in Afghanistan eingetreten. Was der frühere Außenminister Joschka Fischer den Amerikanern entgegengehalten hat – „Excuse me, I am not convinced“ – gilt am Hindukusch erst recht. Der Einsatz ist mehr als erklärungsbedürftig. Merkels letzter Besuch am Hindukusch liegt bald fünf Jahre zurück. Warum Flagge zeigen? Ihr fehlt eine gute Erzählung. Afghanistan ist keine Erfolgsgeschichte.

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