Meinung
Kommentar

Berufliche Hochschule Hamburg – gute Perspektive für Azubis

Das integrierte Studium wertet die Berufsausbildung auf. Allerdings ist vieles noch unklar.

Hamburg wird neue Berufsausbildungen mit integriertem Studium anbieten – allerdings erst ab 2020. Dass Bürgermeister Olaf Scholz das Projekt trotzdem jetzt schon mit großem Aufgebot vorstellte, spricht zunächst einmal dafür, dass der Sozialdemokrat kurz vor dem Eintritt als Finanzminister in die neue Bundesregierung steht und zum Abschied der Hamburger Politik noch einmal seinen Stempel aufdrücken möchte. Ob die neue Berufliche Hochschule Hamburg tatsächlich die „nächste ganz große Innovation“ wird, wie Scholz hofft, muss sich noch erweisen. Vieles ist unklar: Nicht fest steht etwa, für welche Berufe genau die studienintegrierte Ausbildung angeboten werden soll. Wie die Auswahl der Bewerber ablaufen soll, ist ebenso ungewiss wie die Frage, wie viel Geld das Ganze die Stadt kosten wird.

Eine gute Idee ist das Konzept trotzdem. Für Schulabgänger mit Abitur oder Fachhochschulreife gab es nie zuvor ein solch großes Angebot an Berufsausbildungen und Studiengängen. Viele junge Menschen interessieren sich für beides, wollen sich aber nicht früh festlegen und haben Angst, sich falsch zu entscheiden. Etliche brechen eine Ausbildung oder ein Studium vorzeitig ab. In der geplanten studienintegrierten Ausbildung müssten sie ihre Entscheidung erst nach zwei Jahren treffen – auf der Grundlage erster beruflicher und akademischer Erfahrungen. Wer mehr will als einen Bachelor-Abschluss, könnte ein Master-Studium dranhängen.

Funktioniert das Modell, würde
es die Durchlässigkeit zwischen Ausbildungswegen erhöhen. Es entspricht
dem Trend zur Höherqualifizierung und könnte es Unternehmen leichter machen, Fachkräfte zu finden. Olaf Scholz hat etwas Vielversprechendes angekündigt – zum Erfolg führen muss das Projekt nun aber wohl sein Nachfolger.

Seite 12 Bericht

© Hamburger Abendblatt 2018 – Alle Rechte vorbehalten.