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"Ein Hamburg ohne Scholz ist möglich. Aber sinnlos."

Lars Haider (l.) ist Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, Christoph Schwennicke ist Chefredakteur des Magazins "Cicero"

Lars Haider (l.) ist Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, Christoph Schwennicke ist Chefredakteur des Magazins "Cicero"

Foto: Laible/Cicero

Ein E-Mail-Wechsel von Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider und „Cicero“-Chef Christoph Schwennicke.

Christoph Schwennicke (r.), Chefredakteur des in Berlin produzierten Magazins „Cicero“, und Lars Haider, Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, pflegen eine E-Mail-Freundschaft, die wir jeden Sonnabend an dieser Stelle veröffentlichen.

Haider: Lieber Christoph, danke der Nachfrage, ich hatte einen schönen Urlaub. Wobei ich gar nicht glauben konnte, was in diesen zwei Wochen passiert ist. Als ich Hamburg verlassen habe, war Olaf Scholz noch Bürgermeister und Martin Schulz SPD-Vorsitzender. Nun ist Scholz vorübergehend der neue Schulz und bald wohl auch Vizekanzler. Und damit passiert genau das, was ich Dir seit drei Jahren gesagt habe. Ha!

Schwennicke: Vielleicht solltest Du öfter mal in Urlaub gehen. Aber kann es denn Hamburg ohne Deinen geliebten Olaf überhaupt geben? Ist es nicht wie mit dem Mops von Loriot: Ein Hamburg ohne Scholz ist möglich. Aber sinnlos.

Haider: Wahrscheinlich stimmt das, aber Ihr in Berlin braucht ihn jetzt dringender als wir. Bist Du denn wie ich überzeugt, dass die SPD-Mitglieder Ja zur GroKo sagen? Und wer wird denn nun Außenminister?

Schwennicke: Ich glaube, dass es knapp reicht. Juso-Kühnert hat keine Argumente. Und man sollte sich nicht blenden lassen von dem Zulauf zu seinen Veranstaltungen. Außenminister? Einen Namen kann ich Dir nicht nennen. Aber ich bin sicher, dass Nahles Gabriel dort nicht lässt. Und damit hat sie auch völlig recht. Sie ist Machiavella. Und das meine ich respektvoll.

Haider: Aber würde es nicht auch Größe zeigen, Gabriel im Auswärtigen Amt zu lassen und aus einem Gegner einen Freund zu machen?

Schwennicke: Gabriel ist viel zu unberechenbar. Als Heiko Maas mal Ministerpräsident des Saarlandes werden wollte, hat er sich mit Oskar Lafontaine verbandelt. Ein Monsterfehler. Sieht aus wie: Ich brauche meinen Papa, um Klassensprecher zu sein. Maas ist nie MP geworden. Nahles macht so einen Fehler nicht. Bei Scholz (und Nahles) ist die entscheidende Frage: Werden sie das bessere doppelte Lottchen? Besser als Lafontaine/Schröder? Was ein geniales Gespann war, das aber die letzte Frage nicht geklärt hatte. Wenn die beiden schlau sind, haben sie die letzte Frage geklärt. Sonst geht es schief.