Meinung
Kommentar

Abiquote sinkt – noch kein Drama

Peter Ulrich Meyer leitet das Ressort Landespolitik des Hamburger Abendblattes

Peter Ulrich Meyer leitet das Ressort Landespolitik des Hamburger Abendblattes

Foto: Andreas Laible / HA

Auch bundesweite Aufgaben sorgen für eine Delle.

Nein, einen Grund zur Besorgnis gibt es wirklich nicht. Die Zahl der Abiturienten ist in Hamburg zum ersten Mal seit vielen Jahren gesunken. Aber vorausgegangen ist ein vor Jahrzehnten nicht für möglich gehaltener Siegeszug der allgemeinen Hochschulreife. Die Abiquote schnellte von 34 Prozent vor 20 Jahren auf weit über 50 Prozent hoch. Und mit einem Anteil von derzeit 52,7 Prozent aller Schulentlassenen stellen die Abi­turienten nach wie vor die Mehrheit.

Es war klar, dass auch dieses enorme Wachstum irgendwann an seine Grenzen stoßen muss. Ob der aktuelle Rückgang schon eine Trendwende ist, lässt sich nicht sicher beurteilen. Wahrscheinlich ist eher, dass sich die Abiquote in Hamburg – wie in vielen deutschen Großstädten – in Zukunft um die 50 Prozent bewegen wird. Das entspricht nicht zuletzt der Erwartung eines Arbeitsmarktes, der immer höhere Anforderungen an die Schulabgänger stellt.

Gute Schulpolitik muss stets ab­wägen: Auf der einen Seite sind immer höhere Schulabschlüsse gesellschaftlich hoch erwünscht, nicht zuletzt von Eltern, die nur das Beste, eben das Abitur, für ihre Kinder wollen. Auf der anderen Seite muss das Abitur ein Wertpapier bleiben, das nicht nur formal die Tür
zu den Hochschulen aufstößt, sondern den Erwerb von Qualifikationen und ein höheres Leistungsniveau dokumentiert.

Die Einführung eines bundesweiten Aufgabenpools für das Abitur hat nun in Hamburg offenbar für eine Delle bei den Absolventen gesorgt. Die gestiegene Durchfallerquote legt das nahe. Lehrer werden die Schüler noch besser auf die Prüfungen vorbereiten und so die Zahl der Durchfaller senken, auch wenn die großen Zuwachsraten wohl der Vergangenheit angehören. Dabei bleibt es das Verdienst der Lehrer, in den vergangenen Jahren so viele Begabungsreserven bei Schülern geweckt zu haben.

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