Meinung
Kommentar

Der Ehrliche zahlt die Zeche

Der Autor ist Redakteur in der Lokalredaktion beim Abendblatt

Der Autor ist Redakteur in der Lokalredaktion beim Abendblatt

Foto: HA

Schwarzfahren ist eine Straftat, kein Kavaliersdelikt.

Einen Ladenstiebstahl lehnen die meisten Menschen vehement ab. Aber eine Fahrt im öffentlichen Nahverkehr ohne gültigen Fahrschein? Kavaliers­delikt!, heißt es dann oft. Kann passieren, gerade dann, wenn man kein nötiges Kleingeld zur Hand hat. Oder knapp bei Kasse ist.

Wer so denkt oder – noch schlimmer – sich so verhält, missachtet die banale Erkenntnis, dass Gesellschaften nur mit klaren Regeln funktionieren können. Wer als „Schwarzfahrer“ unterwegs ist, stellt sich außerhalb des Konsenses einer mobilen Gesellschaft: dass bezahlen muss, wer eine Beförderungsleistung in Anspruch nimmt.

Der Gesetzgeber hat mit gutem Grund die Beförderungserschleichung im Strafgesetzbuch verankert, weil er sich von der Maxime leiten lässt: Wer sich an banale Regeln des Zusammenlebens nicht hält, muss zur Verantwortung gezogen werden. Und das ist in dieser Angelegenheit Aufgabe des Staates.

Wenn jetzt aber Stimmen in der Justiz laut werden, den Straftatbestand auf eine Ordnungswidrigkeit herabzustufen, muss dem strikt widersprochen werden. Und zwar aus der Perspektive der Verkehrsunternehmen und den von ihnen eingesetzten Kontrolleuren: Nur aufgrund der bisherigen gesetzlichen Regelungen haben die Prüfer die Möglichkeit, die ertappten Schwarzfahrer vor Ort vorläufig festzunehmen, um zum Beispiel ihre Personalien zu notieren. Bei einer Ordnungswidrigkeit entfällt diese Möglichkeit.

Schwarzfahrer sind keine Falschparker. Sie nehmen eine Leistung in Anspruch, die der öffentlichen Hand und dem Unternehmen viel Geld kostet, und weigern sich, dafür zu zahlen. Weil sich gerade notorische Verkehrssünder nicht mit dem Appell an die eigene Ehrlichkeit von ihrem Handeln abbringen lassen, bedarf es klarer Regeln mit klaren Sanktionen. Sonst zahlt am Ende wieder der Ehrliche die Zeche. Aber der ist, wie so oft in dieser Zeit, der Dumme.